100.000-Euro-Strafe für Meta: Gericht rügt verzögerte Löschung falscher Kriegsverbrecher-Vorwürfe
Philipp Hartmann100.000-Euro-Strafe für Meta: Gericht rügt verzögerte Löschung falscher Kriegsverbrecher-Vorwürfe
Ein deutsches Gericht hat Meta zu einer Strafe von 100.000 Euro verurteilt, weil das Unternehmen falsche Anschuldigungen gegen einen Soldaten nicht von seiner Facebook-Plattform entfernt hatte. In den Beiträgen wurde der Mann fälschlicherweise als Kriegsverbrecher bezeichnet; zudem wurden sein vollständiger Name und ein Foto von ihm veröffentlicht. Das Urteil folgt auf einen Rechtsstreit über die verzögerte Reaktion des Konzerns auf eine Löschanordnung.
Der Fall begann, als der Soldat Beschwerde beim Pressesenat des Landgerichts Frankfurt einreichte. Am 23. März 2026 ordnete das Gericht an, Meta müsse die ehrenrührigen Inhalte umgehend löschen. Trotz dieser Entscheidung blieben die Beiträge jedoch weitere 15 bis 17 Tage online.
In der endgültigen Entscheidung vom 28. Mai 2026 (Aktenzeichen: 2-03 O 128/26) kritisierte das Gericht das Vorgehen von Meta scharf. Die Richter hielten die Verzögerung für inakzeptabel – insbesondere angesichts der Schwere der falschen Vorwürfe und der öffentlichen Bloßstellung des Soldaten durch Nennung seiner Identität. Metas Versuche, die Verzögerung zu rechtfertigen, etwa mit Verweis auf Sprachbarrieren, wurden als unzureichend zurückgewiesen und verschärften sogar das Verschulden des Unternehmens.
Laut Urteil zeigte Meta systemische Nachlässigkeit und mangelnde Rücksicht auf die Schäden, die durch das Belassen diffamierender Inhalte im Netz entstehen. Das Gericht betonte, dass solche Versäumnisse persönliche Reputationen zerstören und rechtlichen Schutz untergraben. Meta hat nun zwei Wochen Zeit, um eine sofortige Beschwerde einzulegen, falls das Unternehmen in Berufung gehen will.
Die Strafe von 100.000 Euro unterstreicht die Haltung des Gerichts zu Metas untätigem Verhalten. Die Entscheidung macht zudem deutlich, wie wichtig es ist, dass Plattformen Löschanordnungen zügig umsetzen. Ohne eine Anfechtung wird das Urteil als Präzedenzfall für ähnliche Verfahren im Zusammenhang mit Online-Diffamierung gelten.






