AfD zerrissen: Machtkampf um Russland, USA und die Zukunft der Partei
Finn WagnerAfD zerrissen: Machtkampf um Russland, USA und die Zukunft der Partei
Ein erbitterter Streit über die Außenpolitik erschüttert die rechtspopulistische AfD in Deutschland. Interne Spannungen sind über das Verhältnis zu den USA, Russland und der NATO offen ausgebrochen und legen tiefe Gräben innerhalb der Parteiführung bloß. Aktuelle Konflikte zeigen die zerrissene Haltung zwischen westlich orientierten und prorussischen Flügeln, wobei führende Vertreter sich öffentlich widersprechen.
Die Auseinandersetzungen spitzten sich zu, als der verteidigungspolitische Sprecher Rüdiger Lucassen dem prorussischen Flügel um Björn Höcke vorwarf, ihn aus der Partei drängen zu wollen. Lucassen, ein entschiedener Befürworter der westlichen Bündnisse Deutschlands, hatte Russland wiederholt als größte Bedrohung für die NATO an ihrer Ostflanke bezeichnet – eine Position, die ihn innerhalb der eigenen Reihen zur Zielscheibe gemacht hat.
Unterdessen widersprach der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah öffentlich dem Co-Parteivorsitzenden Tino Chrupalla, der den Abzug der US-Truppen aus Deutschland gefordert hatte. Krah argumentierte, das Land brauche "starke Partner" – eine klare Abkehr von Chrupallas Haltung. Die Spaltung der AfD in der US-Frage wurde noch deutlicher, als der Verteidigungsexperte Hannes Gnauck während der Iran-Krise eine pramerikanische Pressemitteilung verfasste, die jedoch von den Co-Vorsitzenden Alice Weidel und Chrupalla blockiert wurde.
Die Verbindungen der AfD zu prorussischen Kreisen sind seit ihrer Gründung umstritten. Jüngst sorgte Martin Sellners "Remigrations"-Plan, der selbst deutsche Staatsbürger erfassen könnte, für Debatten über die Verfassungsmäßigkeit der Partei. Die Führung steht zudem in der Kritik, sich nicht klar genug von Sellners Vorhaben zu distanzieren.
Krah warnte, die extremen Positionen der AfD in Innen- und Außenpolitik hätten die politische Isolation verschärft, die andere Parteien der AfD auferlegt hätten. Trotz der internen Machtkämpfe gibt es keine öffentlichen Stellungnahmen von Chrupalla oder Weidel zur militärischen Unterstützung Deutschlands für die EU-Mission "Aspides" im Hormus-Strait, die 2024 zum Schutz der Schifffahrt im Roten Meer vor Huthi-Angriffen gestartet wurde.
Die AfD bleibt in ihrer außenpolitischen Ausrichtung zutiefst gespalten, ohne dass eine Lösung in Sicht wäre. Das Scheitern der Partei, eine einheitliche Linie in zentralen Fragen – von den Beziehungen zu den USA bis zu Russland – zu präsentieren, setzt die Führung unter Druck. Während die internen Konflikte anhalten, steht die Haltung der AfD zu Deutschlands Rolle in internationalen Konflikten weiterhin auf dem Prüfstand.






