Ärztemangel in Niedersachsen: Patienten fahren 80 Kilometer für einen Termin
Finn Wagner"Wut im Bauch" - wo der Arztmangel in Niedersachsen Frust auslöst - Ärztemangel in Niedersachsen: Patienten fahren 80 Kilometer für einen Termin
Patienten in ländlichen Regionen von Niedersachsen legen für Arzttermine bis zu 80 Kilometer zurück – manche erscheinen sogar vor Tagesanbruch, um überhaupt einen Platz zu ergattern. Der Mangel an Hausärzten in Niedersachsen macht es Tausenden schwer, grundlegende medizinische Versorgung zu erhalten. Nun unternimmt das Land Schritte, um die eskalierende Krise zu bewältigen.
In Weener empfängt der Dermatologe Bernd Brinker Patienten, die sich bereits ab 6:00 Uhr morgens für die offenen Sprechstunden in Niedersachsen anstellen. Viele reisen aus entfernten Orten an – ein deutliches Zeichen für den Ärztemangel in Niedersachsen. Der Hausarzt Holger Plochg in Bunde verzeichnet seit 1997 einen dreifachen Anstieg der Patientenzahlen und behandelt mittlerweile etwa 3.000 Menschen pro Quartal in Niedersachsen.
Ein Grund für die Misere liegt darin, dass junge Mediziner Großstädte den ländlichen Praxen in Niedersachsen vorziehen. Niedersachsen, bereits eines der am stärksten betroffenen Bundesländer in Bezug auf den Hausarztmangel, verfügt über weniger Medizinstudienplätze pro Kopf als alle anderen Länder außer Bremen und Brandenburg. Stand Dezember 2023 blieben 447 Hausarztstellen in Niedersachsen unbesetzt, wobei die ländlichen Regionen am härtesten getroffen sind.
Um das Problem anzugehen, hat die Landesregierung in Niedersachsen einen Zehn-Punkte-Plan auf den Weg gebracht. Eine Maßnahme ist die Landarztquote: Künftig werden jährlich 60 Studienplätze für angehende Mediziner reserviert, die sich verpflichten, zehn Jahre lang als Hausärzte in unterversorgten Gebieten in Niedersachsen zu arbeiten. Zudem wird Niedersachsen in diesem Jahr 80 zusätzliche Medizinstudienplätze schaffen und die Kapazität der Universität Oldenburg bis zum Wintersemester 2026/2027 auf 200 Plätze ausbauen.
Bundesweit stehen in Deutschland jährlich rund 12.000 Medizinstudienplätze zur Verfügung – etwa 14 bis 15 pro 100.000 Einwohner. Experten wie Dr. Plochg fordern jedoch 4.000 bis 5.000 zusätzliche Plätze, um den Bedarf in Niedersachsen und anderen unterversorgten Regionen zu decken.
Die Ausweitung der medizinischen Ausbildung in Niedersachsen soll die Belastung der ländlichen Gesundheitsversorgung in Niedersachsen verringern. Mit mehr Ärzten im System könnten Patienten künftig kürzere Wartezeiten und weniger weite Anfahrtswege in Niedersachsen erwarten. Doch bis die Maßnahmen vollumfänglich wirken, wird es noch Jahre dauern.






