Chemieindustrie in Ostdeutschland kämpft um Überleben – Rettung für Domo in Sicht?
Philipp HartmannChemieindustrie in Ostdeutschland kämpft um Überleben – Rettung für Domo in Sicht?
Die chemische Industrie in Ostdeutschland steht vor dem dritten Krisenjahr in Folge. Hohe Kosten, strenge Vorschriften und globaler Wettbewerb haben die Unternehmen an den Rand des Abgrunds gedrängt. Nun bietet eine mögliche Rettungslösung für die insolventen Domo-Tochtergesellschaften in Leuna einen seltenen Hoffnungsschimmer für den angeschlagenen Sektor.
Die Probleme der Branche sind offenkundig: Die traditionelle chemische Produktion sank im vergangenen Jahr um etwa drei Prozent, wobei die Anlagen im Schnitt nur zu 72 Prozent ausgelastet waren. Lediglich der Pharmabereich verzeichnete einen leichten Anstieg und trieb den Gesamtumsatz 2025 auf 28,5 Milliarden Euro – ein bescheidenes Plus von 0,5 Prozent. Gleichzeitig breiteten sich Stellenstreichungen aus, da die Unternehmen mit hohen Energiepreisen, Rohstoffkosten und geopolitischen Risiken wie dem Nahostkonflikt kämpfen.
Mit einer schnellen Besserung rechnet kaum jemand. Nur jedes zehnte Unternehmen erwartet kurzfristige Verbesserungen. Doch die geplante Übernahme der beiden insolventen Domo-Töchter durch den Standortbetreiber InfraLeuna und Leuna-Harze könnte einen Wendepunkt markieren. Die noch in Verhandlung befindliche Transaktion wird bereits als wichtiges positives Signal für die Region gewertet.
Am Mittwoch werden Sachsens-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU), der vorläufige Insolvenzverwalter und Vertreter des Chemieparks die Öffentlichkeit über die neuesten Entwicklungen informieren. Das Ergebnis könnte das Vertrauen in eine Branche prägen, die noch rund 63.000 Menschen beschäftigt, aber weiterhin schrumpft.
Der Rettungsplan für Domo kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Sollte er gelingen, könnte er Arbeitsplätze und Produktion in Leuna stabilisieren – einem der wichtigsten Chemiestandorte Ostdeutschlands. Doch die übergeordneten Herausforderungen – von den Energiepreisen bis zur globalen Instabilität – bleiben für die gesamte Branche ungelöst.






