Christian Ulmen: Vom Reality-TV-Star zu schweren Vorwürfen seiner Ex-Frau
Philipp HartmannChristian Ulmen: Vom Reality-TV-Star zu schweren Vorwürfen seiner Ex-Frau
Komiker Christian Ulmen stieg in den mittleren 2000er-Jahren mit provokanten Reality-Shows wie Mein neuer Freund und Wer will meine Freundin vögeln? zum Star auf. Sein grenzenloser Humor machte ihn bundesweit bekannt – doch nun wirft ihm seine Ex-Frau Collien Fernandes vor, im echten Leben verstörende Verhaltensweisen an den Tag gelegt zu haben. Sie behauptet, er habe sie online verkörpert, explizite Inhalte unter ihrem Namen verbreitet und sogar TelefONSEX geführt, während er vorgab, sie zu sein.
Ihre Beziehung sorgte bereits 2010 für öffentliches Aufsehen, als sich viele fragten, warum ein "brillanter, geistreicher Intellektueller" wie Ulmen sich mit einer "hübschen, aber austauschbaren" Viva-Moderatorin wie Fernandes einlasse.
Ulmens Karriere nahm während des Reality-TV-Booms Fahrt auf – mit Shows, in denen er skurrile Figuren spielte. In Mein neuer Freund, ausgestrahlt auf ProSieben, schlüpfte er wöchentlich in die Rolle eines anderen unerträglichen Freundes. Besonders prägend war seine Darstellung des Alexander von Eich, eines reichen, aristokratischen Snobs, der seine Freundin mit einem Stock herumkommandierte und "Franziskarrrr!" brüllte. Das Format sah vor, dass Frauen seine Eskapaden ertragen mussten – wer bis zum Ende durchhielt, erhielt ein Preisgeld.
In einer anderen Show, Wer will meine Freundin vögeln?, trat Ulmen als Uwe Wöllner auf und moderierte einen Wettbewerb, bei dem Männer ihre Freundinnen in geschmacklosen Challenges zur Schau stellten. Kritiker warfen dem Format vor, frauenfeindlich und niveaulos zu sein – doch es festigte Ulmens Ruf als furchtlose, tabubrechende Komikergröße.
Nun hat Fernandes das Schweigen gebrochen und Ulmens Handlungen als "virtuelle Vergewaltigung" bezeichnet. Sie wirft ihm vor, unter ihrem Namen gefälschte Profile angelegt, pornografisches Material verbreitet und sogar TelefONSEX geführt zu haben, während er sich als sie ausgab. Die Parallelen zwischen seinen TV-Rollen und den realen Vorwürfen sorgen für hitzige Debatten.
Im Netz greifen viele die Worte der Missbrauchsüberlebenden Gisèle Pelicot auf: "Die Scham muss die Seite wechseln." Fernandes' Entscheidung, an die Öffentlichkeit zu gehen, hat die Diskussion über Männer, die Frauen ausnutzen und verletzen, neu entfacht – ihr Fall reiht sich in eine lange Liste ähnlicher Vorwürfe ein.
Ihre Schilderungen werfen ein neues Licht auf Ulmens frühe Arbeiten, in denen seine fiktiven "Schlechtfreund"-Rollen nun beunruhigend nah an ihren Anklagepunkten erscheinen. Die Vorwürfe umfassen Identitätsdiebstahl, digitale Belästigung und Grenzüberschreitungen – Verhaltensweisen, die sie als Spiegel der Grausamkeiten beschreibt, die er einst für die Unterhaltung inszenierte. Ihre Geschichte fordert nun eine Auseinandersetzung mit der Frage, wo provokative Komik endet – und wo echter Schaden beginnt.






