02 April 2026, 14:07

Digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen erreicht alarmierende Ausmaße in Thüringen

Karte von Australien mit rot schattierten Bereichen, die den Prozentsatz von Minderjährigen in jedem Bundesstaat angeben, mit Text unten: "Minderjährige können wegen einvernehmlichen Sex auf die Sex-Täter-Liste gesetzt werden."

Digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen erreicht alarmierende Ausmaße in Thüringen

Dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen: Digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen nimmt dramatisch zu

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Ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen hat die wachsende Bedrohung durch digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen deutlich gemacht. Yasmina Ramdani leitete Präventionsworkshops an Schulen und erreichte rund 5.000 Schülerinnen und Schüler, bevor das Programm 2023 endete. Neue Daten zeigen nun, wie verbreitet das Problem mittlerweile ist: Allein 2025 berichteten fast ein Viertel der Minderjährigen von Cybergrooming-Erfahrungen.

Die Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit förderte alarmierende Trends zutage: Bis 2025 hatte fast jedes vierte Kind Cybergrooming erlebt – also gezielte Online-Ansprache durch Täter, die oft in Belästigung oder Missbrauch eskaliert. Noch besorgniserregender: Fast die Hälfte aller Jugendlichen gab an, bereits Formen digitaler sexualisierter Gewalt erfahren zu haben.

Doch Cybergrooming ist nur ein Teil des Problems. Viele Übergriffe geschehen auch in Freundeskreisen oder Klassenchats, oft aus Naivität oder Gruppendruck. Lehrkräfte erkennen zwar die Dringlichkeit des Themas, fühlen sich aber häufig überfordert, angemessen darauf zu reagieren.

Ramdanis Workshops in Thüringen sollten diese Lücke schließen, indem sie Schüler:innen, Lehrkräfte und Eltern aufklärten. Sie betont, dass die Online-Sicherheit von Kindern maßgeblich davon abhängt, wie gut ihr Umfeld sie begleitet. Eltern müssten insbesondere ihr eigenes Verhalten reflektieren und offen über Grenzen sprechen.

Trotz des Erfolgs des Pilotprojekts gibt es bundesweit keine Daten dazu, wie viele Schulen ähnliche Programme eingeführt haben. Einige Bundesländer wie Bayern und Nordrhein-Westfalen haben zwar eigene Initiativen gestartet, doch bis April 2026 bleibt die Umsetzung begrenzt und unkoordiniert. Expert:innen argumentieren, dass Prävention weit kostengünstiger sei als die langfristigen Folgen digitaler sexualisierter Gewalt zu bekämpfen.

Das Thüringer Pilotprojekt unterstrich den Bedarf an strukturierter Prävention – doch die meisten Schulen verfügen noch immer über keine festen Programme. Angesichts der weit verbreiteten Fälle von Cybergrooming und Online-Belästigung wird der Ruf nach bundesweiter Koordination lauter. Ohne flächendeckende Maßnahmen, warnen Fachleute, werde das Risiko für Jugendliche weiter steigen.

Quelle