Dresdens verbotene Kunst: Wie eine HfBK-Rebellengruppe die DDR herausforderte
Leni SchulzDresdens verbotene Kunst: Wie eine HfBK-Rebellengruppe die DDR herausforderte
Dresden war einst ein zentraler Kunststandort in der DDR und beherbergte die renommierte Hochschule für Bildende Künste (HfBK). Jahrzehntelang förderte die Institution den Sozialistischen Realismus als offizielle Stilrichtung. Doch ab den späten 1970er-Jahren formierte sich eine neue Generation von Künstlern – viele von ihnen gerieten später mit den Staatsbehörden in Konflikt, weil sie alternative Wege beschritten.
Eine Gruppe von Studierenden der HfBK, darunter Eberhard Göschel, Hans Scheib, Reinhard Stangl und Cornelia Schleime, ließ sich zunächst vom expressionistischen Brücke-Stil inspirieren – eine Richtung, die außerhalb des in der DDR genehmigten künstlerischen Rahmens stand. Bald gerieten ihre Werke und Ausstellungsmethoden in Widerspruch zu den staatlichen Vorgaben.
Der staatlich kontrollierte Verband Bildender Künstler verweigerte ihnen Aufträge und verhängte Ausstellungsverbote. Es folgte die Überwachung durch die Stasi, da ihre unabhängigen Projekte die offiziellen Normen herausforderten. Göschel und Helge Leiberg organisierten sogar thematische Gruppenausstellungen im Dresdner Leonhardi-Museum, was 1982 zu dessen vorübergehender Schließung führte.
Angesichts der Repression verließen die meisten dieser Künstler schließlich die DDR in Richtung Westdeutschland. Göschel, ursprünglich aus Bayern, blieb als Einziger. Während Hans Scheib in Berlin-Prenzlauer Berg private Galerien eröffnete, gründete Göschel in Dresden mit die Obergrabenpresse. Ihre Konflikte entstanden nicht allein aus künstlerischer Zensur, sondern auch aus ihrem alternativen Lebensstil und ihren unkonventionellen Präsentationsformen.
Dresdens Bedeutung als Kunstzentrum wurde durch die alle fünf Jahre stattfindenden Ausstellungen im Albertinum unterstrichen. Dennoch finden sich diese HfBK-Absolventen – trotz ihrer späteren Prominenz in den alternativen DDR-Kunstszenen – nach der Wiedervereinigung in keinen Unterlagen als Mitglieder der Neuen Künstlervereinigung Dresden.
Das Weggehen der Künstler und die Schließung von Orten wie dem Leonhardi-Museum markierten einen Wandel in der DDR-Kulturlandschaft. Ihre Werke, damals an den Rand gedrängt, gelten heute als Teil der alternativen Kunstgeschichte des Landes. Ihr Widerstand gegen staatlich verordnete Normen bleibt ein dokumentiertes Kapitel des kreativen Aufbegehrens in der DDR.






