Flaschenpost aus 2015 erzählt von uralter Seefahrer-Tradition und Meeresgeheimnissen
Finn WagnerFlaschenpost aus 2015 erzählt von uralter Seefahrer-Tradition und Meeresgeheimnissen
Eine Flaschenpost, die vor fast einem Jahrzehnt in den Atlantik geworfen wurde, rückt eine uralte seemännische Tradition ins Rampenlicht. 2015 ließ ein deutsches Paar während einer Kreuzfahrt eine eigene Botschaft ins Meer gleiten – Teil einer Geschichte, die mehr als 500 Jahre zurückreicht. Diese schlichten Gefäße dienten im Laufe der Zeit der wissenschaftlichen Forschung ebenso wie der Spionage in Kriegszeiten. Den Anfang machte Christoph Kolumbus im Jahr 1493, kurz nach seiner Ankunft in Amerika. Schon im 16. Jahrhundert nutzte man die treibenden Briefe mitunter für geheimdienstliche Zwecke – mit tödlichen Risiken für diejenigen, die sie fanden. Jahrhunderte später erkannten Wissenschaftler ihren Nutzen für die Erforschung von Meeresströmungen. Zwischen 1864 und 1936 setzte das Deutsche Hydrographische Institut rund 5.000 Flaschen aus, um die Bewegungen der Meere zu kartieren. Eine der ersten, 1864 von Australien aus auf die Reise geschickt, spülte drei Jahre später in der Nähe von London an Land. Manche Flaschen trieben jahrzehntelang umher, andere legten mit starken Strömungen bis zu 24 Seemeilen am Tag zurück. Am 23. Oktober 2015 fügten Jörg und Cornelia Wanke dieser Tradition ihre eigene Botschaft hinzu. Das Paar, an Bord der Star Flyer auf dem Weg von Madeira nach Gran Canaria, steckte einen handschriftlichen Zettel in eine blaue Glasflasche. Jörg, heute 66, wuchs auf der Insel Usedom auf und fühlt sich seit jeher von seemännischen Legenden angezogen. Ihre Nachricht folgte der seit Jahrhunderten bewährten Methode: ein eng gerolltes Blatt Papier, verschlossen im Glas. Die Flasche der Wankes gesellte sich zu unzähligen anderen, die in den Ozeanen der Welt verloren gingen – oder gefunden wurden. Von frühen Entdeckern bis zu modernen Forschern trugen diese treibenden Behälter Geheimnisse, Daten und persönliche Geschichten in sich. Ihre Reisen offenbaren noch heute die unberechenbaren Wege von Wind und Wasser.






