Führerschein abgeben für kostenlose Bahnfahrten – diese Städte locken Senioren mit cleveren Angeboten
Noah JägerFührerschein abgeben für kostenlose Bahnfahrten – diese Städte locken Senioren mit cleveren Angeboten
In Städten und Regionen Niedersachsens werden seit einiger Zeit verschiedene Modelle erprobt, um Bürgerinnen und Bürger dazu zu bewegen, auf ihr Auto zu verzichten und stattdessen umweltfreundlichere Verkehrsmittel wie die Bahn zu nutzen. Manche Kommunen bieten kostenlose ÖPNV-Tickets an, andere locken mit finanziellen Anreizen für die Abmeldung von Fahrzeugen. Doch die Resonanz fällt sehr unterschiedlich aus – einige Programme stoßen auf deutlich mehr Zuspruch als andere.
Besonders erfolgreich zeigt sich bisher das Bremerhavener Programm Umsteigen70. Seit dem Start haben dort über 1.500 Einwohnerinnen und Einwohner ab 70 Jahren ihren Führerschein abgegeben – im Gegenzug erhalten sie eine kostenlose Jahreskarte für den Busverkehr. Das Ticket gilt für alle städtischen Linien und erlaubt es ihnen, an Abenden, Wochenenden und Feiertagen zusätzliche Erwachsene oder Kinder mitzunehmen.
Im Raum Hannover lief die Initiative Fahrschein statt Führerschein bis Ende 2024. Sie ermöglichte Rentnerinnen und Rentnern ab 60 Jahren, ihren Führerschein gegen ein kostenloses ÖPNV-Ticket einzutauschen. Mehr als 8.300 Menschen machten davon Gebrauch. Im Landkreis Göttingen und Umgebung wiederum erhalten Senioren ab 65 Jahren ein halbes Jahr lang ein kostenloses Regionalticket, wenn sie ihren Führerschein abgeben. Seit 2019 haben sich hier über 1.200 Personen beteiligt. Göttingen testete zudem ein "Geld-für-Autos"-Modell: Wer sein Fahrzeug für mindestens ein Jahr verkaufte oder stilllegte, erhielt bis zu 700 Euro – nutzbar für ÖPNV, Fahrräder oder Carsharing. Doch nur neun Anträge gingen ein, und lediglich acht wurden bewilligt, obwohl es anfangs viele Anfragen gab. Die Mittel sind inzwischen aufgebraucht, die Zukunft des Programms ungewiss. Kritiker wie der ADAC monieren, der Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen. Stattdessen sollte das Geld in den Ausbau von Bussen, Bahnen und Radwegen fließen.
Während Bremerhaven und Hannover auf großes Interesse stoßen, zeigt Göttingens geringe Beteiligung die Schwierigkeiten, Autofahrer zum Umstieg auf die Bahn zu bewegen. Angesichts von Finanzierungslücken und gemischten Ergebnissen bleibt unklar, wie nachhaltig diese Anreize wirken. Bisher gibt es in Niedersachsen kein landesweites, einheitliches Programm – nur lokale Versuche mit sehr unterschiedlicher Akzeptanz.