24 February 2026, 04:29

Göttingen erlaubt erstmals öffentlichen Muezzin-Ruf zum Ramadan 2026

Eine Gruppe von Menschen marschiert mit einem Banner, auf dem "Klimaziele Abschaffen - Wie wagst du es?" steht, die Straße entlang. Einige halten Schirme und einer verwendet ein Megafon, vor dem Hintergrund von Laternenmasten, Schildern, Bäumen, Gebäuden mit Fenstern, einem Kran und einem klaren blauen Himmel.

Göttingen erlaubt erstmals öffentlichen Muezzin-Ruf zum Ramadan 2026

Göttingens DITIB-Muslimgemeinschaft wird am 24. Februar 2026 erstmals den Ruf des Muezzins öffentlich übertragen. Der Anlass markiert das Fastenbrechen zum Ramadan und folgt auf monatelange Gespräche unter lokalen Religionsvertretern. Die Stadtverwaltung bezeichnet den Schritt als Zeichen für die Anerkennung der Religionsfreiheit aller Glaubensgemeinschaften.

Die Entscheidung entstand im Rahmen des "Runden Tisches der Religionen" in Göttingen, an dem Vertreter christlicher, jüdischer und muslimischer Gruppen teilnehmen. Oberbürgermeisterin Petra Broistedt betonte, Religionsfreiheit umfasse sowohl sichtbare als auch hörbare Ausdrucksformen des Glaubens – und gelte für alle Gemeinschaften gleichermaßen. Ali Serkan Şahbaz, Sprecher der DITIB-Gemeinde, erklärte, der Gebetsruf sei eine spirituelle Einladung und keine politische Aussage.

Die DITIB-Gemeinde verpflichtete sich, die Übertragung transparent und nach festgelegten Regeln durchzuführen. Geplant sind zudem öffentliche Veranstaltungen und Diskussionsrunden, um die Praxis zu erläutern. Jaqueline Jürgenliemk, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Göttingens, unterstützte die Initiative und bezeichnete sie als Chance, Vertrauen und Akzeptanz zu fördern.

Auch lokale christliche Vertreter äußerten sich: Dechant Wigbert Schwarze von der katholischen Kirche mahnte zum Dialog statt zur Spaltung, während der evangelische Superintendent Dr. Frank Uhlhorn darauf hinwies, dass öffentlicher Raum regulierte religiöse Praxis zulassen müsse. Die Stadt hat auf ihrer Website zudem eine FAQ-Sektion eingerichtet, die häufige Fragen zum Muezzin-Ruf beantwortet.

Die Debatte um öffentliche Gebetsrufe spaltet seit Jahren deutsche Städte. In Raunheim (Hessen) wurde der Ruf Ende 2023 dauerhaft eingeführt – was bundesweit Diskussionen über den Platz des Islams im öffentlichen Leben auslöste. Gleichzeitig gerieten Antirassismus-Initiativen und Politiker wie Friedrich Merz und Jens Spahn in Streit darüber, wie Migration die städtische Identität Deutschlands prägt.

Der für Februar 2026 geplante Muezzin-Ruf in Göttingen ist ein Novum für die Stadt. Er folgt auf Absprachen mit Glaubensgemeinschaften und die Zusage klarer Richtlinien. Die Entscheidung spiegelt die anhaltenden Bemühungen wider, religiöse Ausdrucksformen und gesellschaftlichen Zusammenhalt in deutschen Kommunen in Einklang zu bringen.

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