Hessens neue Zahlungskarte für Geflüchtete: Warum **Bargeld** plötzlich Mangelware ist
Philipp HartmannWarum tauschen Wechselstuben Zahlungskarten für Flüchtlinge? - Hessens neue Zahlungskarte für Geflüchtete: Warum **Bargeld** plötzlich Mangelware ist
Neues Zahlungskartensystem für Geflüchtete in Hessen steht in der Kritik – Bargeldzugang eingeschränkt
Während das neue System in den hessischen Kommunen schrittweise eingeführt wird, formiert sich Widerstand: In mehreren Städten haben Ehrenamtliche Tauschstellen eingerichtet, um Betroffenen zu helfen. Dort können Geflüchtete Lebensmittelgutscheine, die mit der Karte bezahlt wurden, in Bargeld umwandeln – eine Notlösung angesichts der finanziellen Engpässe durch die Karteneinschränkungen.
Die Zahlungskarte funktioniert wie eine Debitkarte und ist bundesweit einsetzbar, schränkt jedoch ein, wo Geflüchtete ihr Bargeld ausgeben dürfen. Viele bevorzugen Einkäufe auf Flohmärkten oder in Secondhand-Läden, doch diese akzeptieren die Karte oft nicht. Folge: Ein großer Teil der staatlichen Leistungen wird als Guthaben auf die Karte geladen – Bargeld bleibt Mangelware.
Als Reaktion haben lokale Initiativen in Städten wie Offenbach und Esslingen Tauschbörsen eröffnet. Dort können Geflüchtete gegen Vorlage von Lebensmittelgutscheinen, die sie mit der Karte erworben haben, Bargeld erhalten. Die Esslinger Initiative „Gemeinsam für Flüchtlinge in RSKN“ wird dabei von der Wohnstift Radäcker, einer örtlichen Wohnungsbau-Stiftung, unterstützt. Ähnliche Projekte gibt es in anderen hessischen Kommunen, getragen von Anwohner:innen und Solidaritätsnetzwerken.
Kritiker:innen werfen dem System vor, Geflüchteten gezielt Steine in den Weg zu legen. „Die Karte ist darauf ausgelegt, Hürden zu schaffen“, sagt Hinrich Garms von „Offenbach Solidarisch“. Gleichzeitig geht die Nachfrage nach den Tauschstellen zurück – es gebe weniger Besucher:innen und eine ruhigere Atmosphäre, heißt es. Eine Ausnahme im schrittweisen Rollout bildet Hanau: Dort ist die Karte bereits voll funktionsfähig.
Betroffen sind Asylsuchende sowie abgelehnte Antragsteller:innen mit Duldungsstatus. Zwar soll die Karte die Auszahlung von Leistungen vereinfachen, doch die Beschränkungen treiben Geflüchtete in informelle Tauschsysteme. Bis auf Weiteres bleiben Ehrenamtliche und lokale Unterstützer:innen entscheidend, um die finanziellen Herausforderungen des neuen Systems abzufedern.