IG-Metall-Chefin warnt vor tiefer Wirtschaftskrise und fordert gezielte Industriepolitik
Noah JägerIG-Metall-Chefin warnt vor tiefer Wirtschaftskrise und fordert gezielte Industriepolitik
Yvonne Benner, eine führende Vertreterin der IG Metall, Deutschlands größter Gewerkschaft, hat vor einer Vertiefung der Wirtschaftskrise gewarnt. Die Lage des Landes bezeichnete sie als „sehr ernst“ – die Stagnation dauere bereits sechs Jahre an. Ihre Äußerungen fielen zusammen mit scharfer Kritik an geplanten Reformen der Arbeitszeitregelungen.
Benner betonte zudem die Notwendigkeit gezielter Industriepolitiken, um Deutschland im globalen Wettbewerb gegen Konkurrenten wie China und die USA wettbewerbsfähig zu halten. Zur wirtschaftlichen Situation führte sie aus, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stark belastet seien, da sie Beruf, Haushaltsaufgaben und Pflegeverpflichtungen unter einen Hut bringen müssten. Forderungen nach grundlegenden Änderungen der Arbeitszeiten wies sie als „abwegig“ zurück – besonders für Unternehmen, die bereits mit schwacher Nachfrage zu kämpfen hätten.
Deutschlands Industriebranche stehe, so Benner, unter massivem globalen Konkurrenzdruck. Traditionelle Politiken griffen nicht mehr, da es kein „level playing field“ – also faire Wettbewerbsbedingungen – mehr gebe. Stattdessen sprach sie sich für gezielte Maßnahmen aus, etwa die Produktion von grünem Stahl, den Ausbau der Elektromobilität und subventionierte Industrie-Strompreise, um Arbeitsplätze zu sichern.
Zwar zeigte sich Benner offen für eine Zusammenarbeit mit der Bundesregierung, zog aber klare Grenzen. Die Gewerkschaft werde, so ihre deutliche Ansage, nicht die Rolle der Regierung übernehmen oder sich auf das einlassen, was sie als „Koalitionsverhandlungen 2.0“ bezeichnete. Kooperation müsse sich auf strategische Investitionen konzentrieren – und nicht auf undifferenzierte Ausgaben.
Eine pauschale Kürzung oder Zersplitterung von Mitteln lehnte sie ab. Nur gezielte Förderung, so Benner, könne die industrielle Basis Deutschlands stärken.
Benners Aussagen unterstreichen die Dringlichkeit der wirtschaftlichen Herausforderungen Deutschlands. Angesichts anhaltender Stagnation und verschärften globalen Wettbewerbs drängt sie auf präzise Industriepolitiken. Gleichzeitig macht sie deutlich, wo die Gewerkschaft Grenzen zieht: Zusammenarbeit mit der Regierung ja – aber keine Einmischung in politische Entscheidungsprozesse.






