Insolvenzverwalter von Meyer-Werft kämpfen gegen 'Papierkrisen'
Philipp HartmannInsolvenzverwalter von Meyer-Werft kämpfen gegen 'Papierkrisen' - Insolvenzverwalter von Meyer-Werft kämpfen gegen 'Papierkrisen'
Die angeschlagene deutsche Werft Meyer Werft hat mit einem milliardenschweren Auftrag des Kreuzfahrtriesen MSC Cruises einen Rettungsanker erhalten. Der im Dezember 2025 in Berlin bekannt gegebene Deal im Volumen von 10 Milliarden Euro sichert dem Standort Papenburg Arbeit bis mindestens 2035. Doch die Bestellung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen mit der Insolvenz kämpft und sich in einem umfassenden Restrukturierungsprozess befindet.
Die Krise bei Meyer Werft verschärfte sich nach Jahren des Missmanagements und kostspieliger Fehlentscheidungen. Fehleinschätzungen bei Verträgen – etwa der manuelle Bau von Offshore-Plattformen und Marine-Tankern in Rostock – zehrten die Finanzen auf. Selbst während der Probefahrten mussten Arbeiter an Bord bleiben, um unfertige Aufgaben zu erledigen, was die Budgets weiter in die Höhe trieb.
Interne Chaos verschlimmerten die Lage zusätzlich. Noch bis vor kurzem wurden Lieferantenbeschwerden auf gelben Zetteln notiert – ein System, das die Restrukturierer heute als „Aktenchaos“ bezeichnen. Das Unternehmen arbeitet daran, seine SAP-Systeme bis Mitte 2027 in allen Betriebsbereichen zu stabilisieren, doch der Fortschritt bleibt zäh: Bisher sind erst 30 bis 40 Prozent umgesetzt. Um den Kollaps abzuwenden, sprangen die deutsche Bundesregierung und das Land Niedersachsen ein. Beide übernahmen jeweils 40 Prozent der Anteile, pumpten 400 Millionen Euro in das Unternehmen und garantierten eine Kreditlinie von 2,6 Milliarden Euro. Der MSC-Auftrag – vier Schiffe bis 2033 mit Optionen für zwei weitere bis 2035 – eröffnet nun einen Weg zur Erholung.
Der Deal mit MSC sichert Meyer Werft zwar langfristig Auslastung, doch das Unternehmen muss weiterhin tief verwurzelte Ineffizienzen bekämpfen. Mit staatlicher Unterstützung und dem Großauftrag im Rücken liegt der Fokus nun auf dem Abschluss der Restrukturierung und der Stabilisierung des Betriebs. Ob der Turnaround gelingt, hängt davon ab, ob es der Werft gelingt, die Folgen jahrzehntelangen Missmanagements zu überwinden und veraltete Prozesse zu modernisieren.