Justizministerin fordert härteres Vorgehen gegen heimliche Nacktaufnahmen in der Sauna
Finn WagnerJustizministerin fordert härteres Vorgehen gegen heimliche Nacktaufnahmen in der Sauna
Niedersachsens Justizministerin Kathrin Wahlmann hat sich gegen eine rechtliche Lücke ausgesprochen, die heimliche Nacktaufnahmen in Saunen und Umkleideräumen von Frauen straffrei stellt. Sie warnte, dass Opfer nicht nur einen schweren Eingriff in ihre Privatsphäre erleiden, sondern auch die Ohnmacht spüren, Täter unter geltendem Recht ungestraft davonkommen zu sehen.
Aufmerksam wurde die Öffentlichkeit auf das Problem, nachdem ein Mann in Leipzig Frauen in einer Sauna gefilmt hatte – die Staatsanwaltschaft musste das Verfahren jedoch einstellen. Nach aktueller Rechtslage gelten öffentliche Saunen nicht als besonders geschützte Räume. Da nackte Personen keine Kleidung tragen, die intime Körperbereiche von Frauen bedeckt, wird darin kein Straftatbestand erkannt.
Wahlmann betonte, dass in solchen Situationen weder Datenschutzbestimmungen noch der Schutz intimer Körperregionen von Frauen greifen. Sie verwies auf die psychischen Folgen für die Betroffenen und erklärte, viele Frauen könnten aus Angst nun Saunen oder Umkleiden meiden. Die Ministerin forderte zügige Änderungen im Strafgesetzbuch, um diese Gesetzeslücke zu schließen und Täter zur Verantwortung zu ziehen.
Offizielle Zahlen zu ungesühnten heimlichen Aufnahmen in Saunen von Frauen sind rar. Zwar werden jährlich zwischen 1.200 und 1.500 Fälle von Voyeurismus nach § 184b StGB registriert, doch detaillierte Aufschlüsselungen nach Ort oder Verurteilungsquoten liegen nicht vor. Viele Vorfälle bleiben unentdeckt oder werden nicht verfolgt, da Beweise nur schwer zu erbringen sind.
Mit ihrem Reformvorstoß will die Ministerin den Schutz persönlicher Rechte von Frauen in besonders verletzlichen Räumen stärken. Ohne gesetzliche Anpassungen bliebe Opfern weiterhin der Rechtsweg versperrt, während Täter ohne Konsequenzen handeln könnten. Die geplanten Novellen sollen eine Lücke schließen, die derzeit viele Fälle von Frauen ungelöst lässt.