Kai Wegner spielt Tennis – während 100.000 Berliner im Dunkeln frieren
Philipp HartmannUrlaub, Lachen, Tennis-Spiel - Politische Patzer und ihre Folgen - Kai Wegner spielt Tennis – während 100.000 Berliner im Dunkeln frieren
Deutsche Politiker geraten immer wieder wegen umstrittenen Verhaltens in Krisenzeiten in die Kritik. Ob unpassend geplante Urlaube oder taktlos wirkende öffentliche Auftritte – solche Vorfälle haben immer wieder Empörung ausgelöst und sogar Rücktritte erzwungen. Der jüngste Fall betrifft Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner, der Tennis spielte, während Zehntausende Berliner einen winterlichen Stromausfall erdulden mussten.
Im Juli 2021 wurde Armin Laschet, damals Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, gefilmt, wie er in einem von Hochwasser verwüsteten Gebiet lachte – zur gleichen Zeit, als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einer live übertragenen Ansprache eine ernste Rede hielt. Die Aufnahmen schadeten Laschets Ruf und schwächten den Wahlkampf seiner Partei vor der Bundestagswahl zwei Monate später.
Rudolf Scharping, 2002 noch Verteidigungsminister, geriet unter Druck, nachdem das Magazin Bunte Fotos von ihm am Pool auf Mallorca veröffentlicht hatte. Die Bilder tauchten während einer hitzigen Debatte über den Einsatz deutscher Truppen in Mazedonien auf. Die Affäre trug zu seiner Entlassung im Juli desselben Jahres bei. Anne Spiegel trat im April 2022 als Familienministerin zurück, nachdem sie einen vierwöchigen Urlaub in Frankreich angetreten hatte – nur zehn Tage nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal. Die Reise löste breite Empörung aus. Christine Lambrecht folgte im Januar 2023 und gab ihr Amt als Verteidigungsministerin auf, nachdem ihre Führungskompetenzen infrage gestellt worden waren – unter anderem wegen eines Fotos, das ihren Sohn in einem Militärhubschrauber zeigte.
Erst kürzlich verbrachte Kai Wegner, Berlins Regierender Bürgermeister, eine Stunde auf dem Tennisplatz – am ersten Tag eines massiven Stromausfalls. Der Blackout, ausgelöst durch einen mutmaßlichen Brandanschlag, hatte zwischen 45.000 und 100.000 Berliner Haushalte bei winterlichen Temperaturen ohne Strom zurückgelassen. Auf Nachfrage von Journalisten erwähnte Wegner das Match nicht. Erst Tage später war die Stromversorgung wiederhergestellt, doch die Forderungen nach seinem Rücktritt wurden lauter – vor allem von Oppositionsparteien wie den Grünen, der AfD, der SPD und der Linken.
Diese Vorfälle zeigen, wie riskant es für Politiker ist, in Krisenzeiten Gleichgültigkeit zu signalisieren. Jeder Fall löste öffentliche Wut aus, manche führten zu Rücktritten oder Wahlverlusten. Die jüngste Blackout-Affäre hat die Kritik an Kai Wegners Führung in Berlin weiter verschärft.