23 April 2026, 14:16

"Kein Körper passt": Kims zerrissene Identitätssuche erobert die Berliner Bühne

Ein farbenfrohes illustriertes Zeitachsen-Diagramm, das die Phasen des Lebens von Frauen von der Kindheit bis ins hohe Alter darstellt, mit fetter Schrift und detaillierten Illustrationen.

"Kein Körper passt": Kims zerrissene Identitätssuche erobert die Berliner Bühne

Die Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Roman Kein Körper passt feierte am Dienstag im Berliner Vaganten Bühne Premiere. Das Debütwerk, das 2022 sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis gewann, erzählt die Geschichte einer genderfluiden Protagonist:in, die sich auf der Suche nach Identität, Familie und Selbstakzeptanz behauptet. Mit roher Intensität inszeniert, war die Aufführung am Eröffnungsabend ausverkauft und zog das Publikum in Kims zutiefst persönliche Reise hinein.

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Kims Geschichte beginnt in einem Schweizer Vorort, ausgelöst durch die Demenz ihrer Großmutter und die Suche nach den eigenen Wurzeln. Ihr Körper weigert sich, in binäre Kategorien gepresst zu werden – ein Kampf gegen starre Erwartungen und zugewiesene Rollen entbrennt. Drei Schauspieler:innen – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger – verkörpern gemeinsam Kim, ihre Stimmen verweben sich zu einem Chor, der eine neunzigminütige Stille mit der symbolischen Beerdigung des "Großen Meeres" durchbricht.

Unter einer Blutbuche, die einst ihr Urgroßvater für eine enterbte Tochter gepflanzt hatte, findet Kim flüchtige Geborgenheit. Dieser Baum wird zum roten Faden ihrer Suche, führt sie zu lange vergrabenen Traumata in der mütterlichen Blutlinie. Doch die Sehnsucht nach Zugehörigkeit reißt sie auch in das Chaos des Nachtlebens, wo Grindr als unvollkommener Kompass in einer Welt flüchtiger Verbindungen dient.

Das Stück spiegelt die schonungslose Ehrlichkeit des Romans wider, wenn Kim sich der Scham stellt und versucht, sie in Selbstannahme zu verwandeln. Ihre Reise – durch Familienarchive, anonyme Begegnungen und die Last des geerbten Schmerzes – gipfelt in einem trotzig-befreienden Akt der Rückeroberung der eigenen Geschichte.

Die Premiere markiert eine kühne Übertragung von de l'Horizons literarischem Triumph auf die Bühne. Indem drei Schauspieler:innen Kims Stimme teilen, verstärkt die Inszenierung die Themen von Fluidität und Zersplitterung. Die ausverkaufte Vorstellung zeigt: Hier trifft eine Geschichte, die Schweigen herausfordert und Sichtbarkeit einfordert, auf großes Interesse.

Quelle