Madsack übernimmt Nordwest Mediengruppe – Ende einer umstrittenen Ära
Philipp HartmannMadsack übernimmt Nordwest Mediengruppe – Ende einer umstrittenen Ära
Eine traditionsreiche, familiengeführte Mediengruppe in Norddeutschland steht 2026 vor einem Besitzerwechsel. Der Madsack-Konzern übernimmt die Nordwest Mediengruppe und beendet damit Jahrzehnte der Führung durch die Familien Köser und von Bothmer. Zum Deal gehört auch die Nordwest-Zeitung (NWZ), eine 1946 von Fritz Bock gegründete Zeitung – einer Persönlichkeit mit einer umstrittenen NS-Vergangenheit.
Fritz Bocks Karriere begann lange vor der Gründung der NWZ. In den 1930er-Jahren arbeitete er als Journalist und Verleger bei den Oldenburger Nachrichten, einer Zeitung, die das NS-Regime offen unterstützte. 1940 trat er der NSDAP bei, und unter seiner Leitung befürwortete das Blatt die Hinrichtung sogenannter "Verräter", "Volksschädlinge" und Juden. Die Zeitung erschien bis 1943, als kriegsbedingte Knappheit ihre Einstellung erzwang – nicht etwa ein NS-Verbot –, bevor sie mit der örtlichen NSDAP-Parteizeitung fusionierte.
Nach dem Krieg wechselte Bock die Seiten. Er arbeitete für die britische Besatzungsmacht und erhielt 1946 eine Lizenz zur Gründung der NWZ. Die neue Zeitung nutzte dieselben Räumlichkeiten wie sein ehemaliger Arbeitgeber, die Oldenburger Nachrichten, die sie 1954 vollständig übernahm. Trotz Bocks NS-Belastung betont die offizielle Geschichtsschreibung der NWZ seine angeblich demokratischen Werte – Belege für die Behauptung, er habe im Dritten Reich Juden gerettet, fehlen jedoch. Die NWZ blieb über Generationen in Familienbesitz. Mit der Übernahme durch Madsack endet nun diese Ära, und eine der einflussreichsten Regionalzeitungen Niedersachsens wechselt den Besitzer.
Die Übernahme soll Anfang 2026 abgeschlossen sein und die NWZ unter das Dach des Madsack-Konzerns stellen. Damit schließt sich ein Kapitel für die Familien Köser und von Bothmer, die die Zeitung seit ihrer Nachkriegsgründung lenkten. Gleichzeitig bleiben Fragen zu Fritz Bocks Erbe und den Lücken in der historischen Darstellung der NWZ unbeantwortet.