15 March 2026, 08:07

Medienkongress offenbart Gräben zwischen Lokaljournalismus und nationaler Strategie

Eine Zeitung mit darauf gedrucktem Text.

Medienkongress offenbart Gräben zwischen Lokaljournalismus und nationaler Strategie

Der zweite Kongress "Die Zukunft der deutschen Medien", veranstaltet von Madsack, brachte Branchenführer zusammen, um über drängende Herausforderungen zu diskutieren. Altbundespräsident Joachim Gauck, Verleger und Führungskräfte debattierten über die Rolle des Journalismus bei der Verteidigung der Demokratie und der Anpassung an den digitalen Wandel.

Die Veranstaltung machte auch Spannungen zwischen regionalen und nationalen Medienstrategien deutlich – mit deutlichen Gegensätzen zwischen Madsacks lokalem Fokus und dem breiteren Ansatz der "Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung" (OAZ).

Auf dem Kongress rief Altbundespräsident Joachim Gauck die Medien dazu auf, die Demokratie mit "Entschlossenheit, Fantasie und Mut" zu verteidigen. Er warnte davor, dass eine übermäßige Konzentration auf die Schwächen der Demokratie – statt auf Lösungen – das öffentliche Vertrauen untergraben könne. Gauck betonte zudem, dass Bedrohungen für die Freiheit zunehmend aus dem Inneren freier Gesellschaften selbst entstehen.

Madsack-Chef Thomas Düffert kritisierte die deutsche Medienpolitik scharf: Sie bremse die digitale Transformation der Branche und schaffe finanzielle Risiken. Er forderte nachhaltige digitale Geschäftsmodelle, um die wirtschaftliche Zukunft des Journalismus zu sichern. Düffert unterstrich zudem, wie wichtig vertrauenswürdige Medienmarken in einer von KI-generierten Inhalten geprägten Ära seien.

Im Mittelpunkt einer zentralen Debatte stand die "Ostdeutsche Allgemeine Zeitung" (OAZ), eine regionale Medienmacht in Ostdeutschland. Die 1991 gegründete Zeitung verzeichnet eine tägliche Auflage von 200.000 bis 250.000 Exemplaren (IVW-Zahlen 2025) und hält in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen einen Marktanteil von 20 bis 30 Prozent. Zwar ist sie kleiner als überregionale Titel wie die "Süddeutsche Zeitung" (300.000 Exemplare) oder die "Frankfurter Allgemeine" (250.000), doch dominiert die OAZ in ihrer Region. Verleger Holger Friedrich verteidigte ihre Rolle als Lückenfüller, wo nationale Zeitungen kaum präsent sind, und strebt eine Führungsposition im ostdeutschen Segment an.

Düffert stellte Madsacks "harten Lokaljournalismus" dem breiter angelegten, aber weniger detaillierten Ansatz der OAZ gegenüber und warf dieser vor, sie "überfliege" entscheidende Einzelheiten. Friedrich wiederum äußerte Bedenken über einen "aktivistischen Schwung" bei jüngeren Journalisten, denen es seiner Meinung nach oft an differenzierten Perspektiven fehle.

Der Kongress offenbarten tiefe Gräben über die Zukunft der deutschen Medienlandschaft. Während die einen auf verstärkten Lokaljournalismus und digitale Innovation setzen, warnen andere vor ideologischen Verschiebungen und politischen Hindernissen. Die Diskussionen betonten zudem, wie wichtig es ist, Kritik mit konstruktivem Engagement zu verbinden, um das öffentliche Vertrauen zu bewahren.

Die regionale Vorherrschaft der "Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung" und die strategischen Unterschiede zu Madsack werden voraussichtlich weiter im Fokus stehen, während sich die Branche an wirtschaftliche und technologische Herausforderungen anpasst.

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