Mozarts Così fan tutte wird zum realen Beziehungsexperiment für nur 10 Euro
Philipp HartmannMozarts Così fan tutte wird zum realen Beziehungsexperiment für nur 10 Euro
Das Staatstheater Wiesbaden wagt in dieser Spielzeit ein kühnes Experiment mit Mozarts Così fan tutte. Für nur 10 Euro können Zuschauer ein Echtzeit-Beziehungsexperiment erleben, das die Grenzen zwischen Inszenierung und Realität verschwimmen lässt. Die Produktion verspricht, sowohl die Beteiligten als auch das Publikum herauszufordern, indem sie die Oper in eine provokante Erforschung von Liebe und Treue verwandelt.
Die Vorstellung beginnt noch bevor sich der Vorhang hebt. Sobald die Besucher eintreffen, werden sie hinter die Kulissen gezogen, wo Kostüme, verborgene Wege und bedeutungsvolle Blicke die übliche Trennung zwischen Bühne und Publikum aufbrechen. Die Szene erinnert an eine Kunsthochschule, in der das Publikum als Studierende fungiert, die ein Experiment beobachten – geleitet von Don Alfonso, dem berüchtigten Zweifler an der Treue in Mozarts Werk.
Zwanzig junge Paare zwischen 18 und 35 Jahren werden nicht als Statist:innen, sondern als aktive Mitwirkende auf der Bühne stehen. Opernkenntnisse sind nicht erforderlich, doch das Theater wünscht sich Mut – und vielleicht eine Portion Humor. Unter der Regie von Marie-Ève Signeyrole verzichtet die Inszenierung auf traditionelle Bühnenelemente und legt stattdessen schonungslos die Wahrheiten über Beziehungen frei.
Doch dieses neu interpretierte Così fan tutte will nicht nur unterhalten – es sprengt Grenzen. Es stellt die Frage, was von der Liebe übrig bleibt, wenn sie auf die Probe gestellt wird, und verwandelt die Oper in einen Spiegel für die Paare auf der Bühne wie für das Publikum. Der niedrige Eintrittspreis täuscht über die hohen Einsätze hinweg: echte Emotionen, unvorhersehbare Reaktionen und eine Aufführung, die das Verhältnis von Oper und modernem Leben neu definieren könnte.
Das Experiment entfaltet sich im Laufe der Spielzeit, wobei jede Vorstellung einen einzigartigen Einblick in die Dynamik von Liebe und Verrat bietet. Indem echte Paare ins Zentrum gerückt werden, erzwingt die Produktion eine Konfrontation – nicht nur zwischen den Figuren, sondern zwischen der Kunstform selbst und ihrem Publikum. Das Ergebnis könnte unbequem, aufschlussreich oder gar verwandelnd sein.






