21 March 2026, 20:08

Neue Energiekrise droht: Warum Deutschland jetzt im Krisenmodus ist

Liniengraph, der die Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie in Deutschland zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

100 Jahre Energiepreisschocks: Eine kurze Geschichte der deutschen Energiepolitik - Neue Energiekrise droht: Warum Deutschland jetzt im Krisenmodus ist

Deutschland steht nach dem jüngsten US-israelischen Angriff auf den Iran, der die globalen Märkte erschüttert hat, erneut vor einer schweren Energiekrise. Die Hoffnungen der Regierung auf stetiges Wirtschaftswachstum haben sich zerschlagen, sodass nun in den Krisenmodus gewechselt werden muss. Historisch betrachtet legen Energieschocks schonungslos strukturelle Schwächen der Politik offen – und diesmal ist es nicht anders.

Energiekrisen haben immer wieder Deutschlands Umgang mit der Energieversorgung geprägt. Der Ölschock von 1973 markierte einen Wendepunkt: Das Land investierte fortan in Energieforschung, Effizienzprogramme und Alternativen wie erneuerbare Energien. Ab den späten 1970er-Jahren setzte Deutschland auf Diversifizierung – mit Pipelinegas aus der Sowjetunion (später Russland und Norwegen), Flüssiggas-Terminals (LNG) und neuen Lieferverträgen. Nach Russlands Invasion in der Ukraine 2022 reduzierte Deutschland seine Abhängigkeit von russischem Gas von über 50 auf unter 10 Prozent und bezog stattdessen Gas aus Norwegen (30 Prozent), den USA (25 Prozent über LNG) sowie in geringerem Maße aus Belgien, den Niederlanden und Katar.

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Frühere Reaktionen auf Engpässe waren jedoch oft nur kurzfristige Lösungen. In den 1970er-Jahren gab es Subventionen für Kohle und autofreie Sonntage, während die marktgetriebenen Politikansätze der 1950er-Jahre zu Überproduktion, Knappheit und dem Kollaps ganzer Industriezweige führten. Diese Maßnahmen behoben nicht die tieferliegenden strukturellen Probleme, sodass das System anfällig für Preisschocks und geopolitische Krisen blieb. Die aktuellen Explosion der Energiepreise droht nun mit Protesten, Werksschließungen und Arbeitsplatzverlusten – ein Echo vergangener Krisen, in denen einige Regierungen entschlossen handelten, während andere zögerten.

Der Zusammenhang zwischen Energie, Außenpolitik und Sicherheit ist seit Langem offensichtlich. Sowohl die Kohlekrise der 1920er-Jahre als auch der Ukraine-Krieg 2022 zeigten, dass Lieferketten nie rein wirtschaftliche Fragen sind. Deutschlands Strategie, Importrisiken zu streuen, hat zwar neue Abhängigkeiten nicht verhindert, sie aber lediglich von einer Region in eine andere verlagert. Angesichts explodierender Preise und unter Druck geratener Industrien wird nun ein langfristiger Plan dringend benötigt.

Die aktuelle Krise folgt einem bekannten Muster: Preissprünge, Notfallmaßnahmen und Bedrohungen für Arbeitsplätze. Ohne einen grundlegenden strategischen Wandel riskiert Deutschland, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Krisen haben in der Vergangenheit schon mutige politische Weichenstellungen erzwungen – diesmal gilt es, diesen Kreislauf endgültig zu durchbrechen.

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