05 April 2026, 04:08

Neues Online-Portal enthüllt die Entwicklung rechtsextremer Propaganda seit 1945

Offenes Buch mit handgeschriebener Text auf altem Papier, mit Wasserzeichen am Boden, wahrscheinlich ein Dokument der Bundesrepublik Deutschland.

Neues Online-Portal enthüllt die Entwicklung rechtsextremer Propaganda seit 1945

Ein neues Online-Portal bietet ab sofort kostenlosen Zugang zu historischen Dokumenten über rechtsextreme Strömungen in Deutschland. Der Zeitrahmen des Projekts erstreckt sich von 1945 bis 2000; herausgegeben wurde es von Prof. Dr. Frank Bösch vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und Prof. Dr. Gideon Botsch vom Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam. Über 30 Fachleute haben die Materialien für Forscher:innen, Schulen und die politische Bildungsarbeit aufbereitet, kommentiert und in ihren historischen Kontext eingeordnet.

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Das Portal zeichnet nach, wie sich rechtsextreme Propaganda in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte. In den 1950er-Jahren zielten untergrundnahe neonazistische Gruppen wie die SRP und die DRP auf enttäuschte Kriegsheimkehrer und Jugendliche ab und nutzten dabei Lücken in der Entnazifizierung aus. Zwar wurde die SRP 1952 verboten, doch rechtsextreme Aktivitäten blieben bestehen. In den 1960er-Jahren änderte die NPD ihre Strategie und bediente sich fremdenfeindlicher Rhetorik, als während des Wirtschaftswunders Gastarbeiter:innen ins Land kamen. Die Studentenproteste von 1968 verschärften zudem die politische Polarisierung.

In den 1980er- und 1990er-Jahren gewannen Skinhead-Subkulturen an Einfluss, insbesondere in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung. Hohe Arbeitslosigkeit und die Asyldebatten der 1990er-Jahre befeuerten ihre Rekrutierungsbemühungen. Das Portal dokumentiert diese Entwicklungen anhand von Propagandatexten, gewaltverherrlichenden Aufrufen und Materialien, die gezielt junge Menschen ansprachen.

Nach dem Jahr 2000 modernisierten rechtsextreme Akteure ihre Strategien mit dem Aufstieg des Internets. Die NPD ging mit eigenen Websites online, während die AfD später soziale Medien nutzte, um codierte Begriffe wie "Remigration" zu verbreiten. Ereignisse wie die Anschläge vom 11. September 2001, die Flüchtlingskrise 2015 und die Pegida-Proteste in Dresden prägten ihre Botschaften und sprachen gezielt bürgerliche Ängste vor Islam und Globalisierung an.

Das Portal unter https://radikale-rechte.de/ ermöglicht den direkten Zugang zu diesen historischen Quellen. Sein Ziel ist es, Nutzer:innen zu zeigen, wie sich rechtsextreme Bewegungen über Jahrzehnte hinweg anpassten und ihre Propaganda weiterentwickelten.

Das Projekt unterstützt Forschung und politische Bildung, indem es die Entwicklung rechtsextremer Taktiken aufzeigt. Die kommentierten Dokumente offenbaren die Verschiebungen in der Rhetorik – von neonazistischen Netzwerken der Nachkriegszeit bis hin zu digitalen Kampagnen im 21. Jahrhundert. Schulen, Forscher:innen und zivilgesellschaftliche Gruppen können das Portal nun nutzen, um diese historischen Muster zu analysieren.

Quelle