14 January 2026, 18:46

Niedersachsen streicht schriftliche Division – Bildungsstreit entbrannt

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Niedersachsen streicht schriftliche Division – Bildungsstreit entbrannt

Grundschulen in Niedersachsen streichen ab 2026 die schriftliche Division

Ab 2026 müssen Schüler in Niedersachsen die schriftliche Division nicht mehr lernen. Die von Bildungsministerin Julia Willie Hamburg (SPD) angekündigte Entscheidung stößt bei Lehrkräften und Politikern auf scharfe Kritik. Gegner werfen der Landesregierung vor, die Bildungsstandards zu senken und Kinder unzureichend auf weiterführende Schulen vorzubereiten.

Unterdessen setzen Berliner Oberschulen zunehmend auf vereinfachte Fassungen klassischer Literatur. Werke von Goethe, Schiller und Lessing werden sprachlich angepasst, um Verständnishürden abzubauen. Doch warnen Pädagogen, dass dabei der ursprüngliche Sinn der Texte verloren gehen könnte.

Der Streit in Niedersachsen entzündete sich, als Ministerin Hamburg bestätigte, die schriftliche Division aus dem Lehrplan der Grundschulen zu streichen. Sie verteidigte die Reform mit dem Argument, traditionelle Rechenmethoden seien zu komplex und fehleranfällig. Moderne didaktische Ansätze, so Hamburg, seien besser geeignet, um Grundschülern die Arithmetik zu vermitteln.

Die Gegenwehr ließ nicht lange auf sich warten. Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, betonte, dass die Beherrschung verschiedener Rechenverfahren essenziell für den späteren Schulerfolg sei. Ohne die schriftliche Division, warnte er, hätten Schüler in der Sekundarstufe erhebliche Probleme. Sebastian Lechner, fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag, warf der Regierung vor, die Messlatte für Bildungsstandards bewusst zu senken und damit die Zukunftschancen der Kinder zu gefährden.

In Berlin tobt unterdessen eine ähnliche Debatte über den Literaturunterricht. Immer häufiger greifen Lehrer zu vereinfachten Ausgaben klassischer Texte, um sie leichter zugänglich zu machen. Sven Haedecke, Sprecher des Cornelsen Verlags, erklärte, das Ziel sei es, Sprachbarrieren für leseschwache Schüler abzubauen. Christiane Sauerbaum-Thieme, eine leitende Mitarbeiterin der Berliner Senatsbildungsverwaltung, bezeichnete solche Anpassungen jedoch als "letzte Option".

Robert Radecke-Rauh, Lehrer und Fachseminarleiter, übt scharfe Kritik an dem Trend. Durch die Veränderung der Originaltexte, so sein Vorwurf, gehe die Tiefe der Werke verloren – ein Verrat am eigentlichen Bildungsauftrag. Die Reformen in beiden Bundesländern stoßen bei Pädagogen und Oppositionspolitikern auf breite Ablehnung, die einen Qualitätsverlust im Bildungssystem befürchten.

Die Veränderungen in Niedersachsen und Berlin spiegeln einen grundsätzlichen Wandel in der Vermittlung zentraler Schulfächer wider. Während die schriftliche Division aus den Grundschulen verschwindet, werden klassische Literaturwerke für ein leichteres Leseverständnis umgeschrieben. Ob diese Reformen den Schülern nützen oder ihnen langfristig schwächere Grundlagen mitgeben, bleibt unter Lehrkräften und Bildungspolitikern umstritten.