Niedersachsens Minister fordert radikale Apotheken-Reform für bessere Patientenversorgung
Leni SchulzNiedersachsens Minister fordert radikale Apotheken-Reform für bessere Patientenversorgung
Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi drängt auf grundlegende Reformen der Apothekenversorgung in Deutschland. Seine Forderung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Bundesrat über das Apothekenversorgungsstärkungsgesetz berät. Philippi kritisiert, dass die aktuellen Pläne der Bundesregierung unzureichend seien, um die flächendeckende Versorgung durch Vollsortiment-Apotheken und die Patientenbetreuung zu sichern.
Der Minister lehnt zentrale Punkte des Regierungsentwurfs ab, darunter die Lockerung der Vorschriften für Filialapotheken. Diese kleineren Standorte böten weniger Service und könnten traditionelle Apotheken nicht ersetzen, warnt Philippi. Zudem spricht er sich gegen die geplante Regelung aus, dass pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) Apothekenleiter vorübergehend vertreten dürfen. Dies würde die Arzneimittelsicherheit und die Beratungsqualität für Patienten gefährden, so der Minister.
Sein Ministerium pocht darauf, dass in jeder Apotheke ständig ein Apotheker vor Ort sein muss. Zudem fordert es eine höhere Festzuschlag für die Abgabe von Medikamenten, um die finanzielle Belastung lokaler Apotheken – besonders in ländlichen Regionen – zu verringern. Ohne diese Unterstützung drohe die Umwandlung von Vollsortiment-Apotheken auf dem Land in reine Filialstandorte, was die Versorgung der Bevölkerung verschlechtern würde.
Die Bundesländer haben bereits 60 Änderungsanträge zum Gesetz eingebracht. Philippis Reformvorschläge zielen darauf ab, die landesweite Arzneimittelversorgung zu sichern und die eigenbetrieblichen Apotheken als Rückgrat des Systems zu stärken.
Die Debatte über die Zukunft der Apothekenversorgung wird nun im Bundesrat weitergeführt. Sollten Philippis Pläne angenommen werden, würden die Regeln für Filialapotheken verschärft und die Förderung lokaler Anbieter ausgebaut. Das Ergebnis wird maßgeblich beeinflussen, wie Patienten in Deutschland – insbesondere in unterversorgten Regionen – künftig an Medikamente kommen.