Niedersachsens Ministerpräsident warnt vor drohender Energiekrise im Winter 2024/25
Philipp HartmannOlaf Lies fordert Maßnahmen gegen hohe Energiekosten - Niedersachsens Ministerpräsident warnt vor drohender Energiekrise im Winter 2024/25
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hat angesichts des nahenden Winters ernste Bedenken zur Energiesicherheit Deutschlands geäußert. Angesichts dramatisch niedriger Gasreserven und explodierender Spritpreise fordert er sowohl von der Bundesregierung als auch von den Mineralölkonzernen dringende Maßnahmen, um die Versorgung zu stabilisieren und die Kosten zu dämpfen.
Die deutschen Gasspeicher sind derzeit nur zu 20 bis 22 Prozent gefüllt – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu 44 Prozent im Vorjahreszeitraum. Zwischen Ende Februar und Mitte März 2026 sanken die Bestände täglich um 0,7 bis 1 Prozent, bedingt durch hohen Verbrauch und gelockerte Mindestfüllvorgaben, die nun bei 70 statt wie bisher bei 90 Prozent liegen. Lies warnt, dass diese geringen Reserven in Verbindung mit anhaltenden geopolitischen Spannungen die Krise weiter verschärfen könnten.
Der Ministerpräsident setzt sich für eine stärkere Diversifizierung der Gasbezüge ein und betont die Bedeutung von Flüssiggas-Terminals (LNG), norwegischen und niederländischen Lieferungen sowie der heimischen Förderung in der Nordsee. Zudem wirbt er für den Bau eines dritten LNG-Terminals in Wilhelmshaven, um die Importkapazitäten zu erhöhen. Gleichzeitig kritisierte er die erneute Debatte über Atomkraft als kontraproduktiv, da sie bei Bürgern und Wirtschaft nur Verunsicherung auslöse.
Bei den Spritpreisen forderte Lies die Mineralölkonzerne auf, die Belastung für Verbraucher zu verringern. Er räumte ein, dass die hohen Kosten an den Tankstellen eine breite Diskussion ausgelöst hätten. Zugleich rief er die Bundesregierung dazu auf, alle denkbaren Szenarien zu prüfen und wirksame Gegenmaßnahmen vorzubereiten – etwa durch strategische Reserven und klarere Anreize für eine rechtzeitige Gasbefüllung.
Obwohl die Regierung betont, dass für den Winter 2024/25 keine akute Knappheit drohe, bleibt Lies vorsichtig. Er verwies auf berechtigte Sorgen vor möglichen Folgen eines Konflikts mit dem Iran. Die aktuelle Strategie setzt auf LNG-Terminals, Weltmarktimporte und Marktmechanismen, doch die Wirtschaft drängt auf konkretere Rahmenbedingungen, um die rechtzeitige Befüllung der Speicher zu gewährleisten.
Lies' Warnungen kommen zu einer kritischen Phase für die deutsche Energiesicherheit. Angesichts schrumpfender Gasreserven und wachsender externer Risiken zielen seine Forderungen nach Diversifizierung, Infrastrukturausbau und staatlichem Eingreifen darauf ab, Engpässe zu vermeiden. Die kommenden Monate werden zeigen, ob diese Maßnahmen ausreichen, um Versorgung und Preise vor dem Winter zu stabilisieren.






