Ökostrom überholt erstmals fossile Energien an einem Werktag in Deutschland
Leni SchulzÖkostrom überholt erstmals fossile Energien an einem Werktag in Deutschland
Deutschlands Umstieg auf erneuerbare Energien hat einen Wendepunkt erreicht. Am 18. April 2012 deckte das Land erstmals an einem Werktag die Hälfte seines täglichen Strombedarfs aus Ökostrom. Dieser Meilenstein unterstreicht die wachsende Herausforderung für traditionelle fossile Energieversorger, die nun mit sinkenden Gewinnen und einer ungewissen Zukunft konfrontiert sind.
Seit der Katastrophe von Fukushima hat sich die deutsche Energielandschaft rasant gewandelt. Die „Großen Vier“ der konventionellen Energieversorger – einst marktbeherrschend – verzeichnen schwere finanzielle Verluste, während erneuerbare Energien ihren Marktanteil kontinuierlich ausbauen. Durch den Vorrang bei der Netzeinspeisung für Wind- und Solarstrom sowie deren geringere Betriebskosten wurden fossile Brennstoffe zunehmend verdrängt.
Trotz Warnungen vor Netzinstabilität führten die starke Abhängigkeit von Photovoltaik (PV)-Anlagen und Onshore-Windkraft in den vergangenen zwei Wintern nicht zu Stromausfällen. Stattdessen verzeichnete Deutschland 2012 einen neuen Exportrekord und verkaufte mehr Strom ins Ausland als je zuvor. Expertinnen wie Susanne Treptow, Geschäftsführerin der Stadtwerke Hameln, sehen die Zukunft in einer dezentralen Energieerzeugung in kleineren Einheiten. Die meisten fossilen Energieunternehmen hingegen haben sich kaum angepasst und investieren – abgesehen von Offshore-Wind – kaum in erneuerbare Energien. Ihre Einflussnahme schwindet daher zusehends.
Kritiker machen oft die Ökostromumlage für steigende Strompreise verantwortlich. Doch diese Abgabe ist nur ein Teil der Kosten – auch Netzentgelte und weitere Umlagen spielen eine erhebliche Rolle.
Im kommenden Jahrzehnt dürfte der Niedergang des fossilen Sektors in Deutschland weiter voranschreiten. Während erneuerbare Energien expandieren und traditionelle Anbieter im Wettbewerb zurückfallen, vollzieht sich ein dauerhafter Wandel im Energiemarkt. Die Rekordexporte und die stabile Netzperformance deuten darauf hin, dass dieser Übergang bereits in vollem Gange ist.