Polen deckelt Spritpreise – Deutschland führt tägliche Preisanpassung ein
Leni SchulzPolen deckelt Spritpreise – Deutschland führt tägliche Preisanpassung ein
Polen hat ab Dienstag strenge Preisobergrenzen für Benzin und Diesel eingeführt. Die Maßnahme erfolgt zeitgleich mit der Umsetzung einer neuen Preispolitik in Deutschland, die Tankstellen auf eine tägliche Preiserhöhung um die Mittagszeit beschränkt. Beide Schritte zielen darauf ab, die steigenden Spritkosten einzudämmen, die durch den Iran-Konflikt und anhaltende wirtschaftliche Belastungen angetrieben werden.
Die polnische Regierung unter dem Mitte-links-Regierungschef Donald Tusk hat tägliche Höchstpreise für Kraftstoffe festgelegt. Normalbenzin darf nicht mehr als 6,16 Złoty pro Liter (etwa 1,44 Euro) kosten, Superbenzin ist auf 6,76 Złoty (1,58 Euro) und Diesel auf 7,60 Złoty (1,77 Euro) gedeckelt. Die Entscheidung löste einen sofortigen Ansturm von Grenzpendlern aus, mit langen Schlangen an polnischen Tankstellen nahe der deutschen Grenze.
In Deutschland tritt ab Mittwoch die neue Regelung in Kraft, die Tankstellen auf eine Preisanpassung pro Tag – und zwar mittags – beschränkt. Damit folgt das Land dem Vorbild Österreichs, das mit dieser Maßnahme extreme Preisschwankungen reduzieren und mehr Transparenz schaffen will. Unklar bleibt jedoch, ob die Regelung tatsächlich zu sinkenden Spritpreisen führen wird, da die Kraftstoffkosten aufgrund des Iran-Konflikts bereits stark gestiegen sind.
Noch vor der polnischen Preisdeckelung hatten sich die Spritpreise in Deutschland drastisch erhöht – von etwa 1,40 Euro pro Liter Anfang 2021 auf über 2,00 Euro Mitte 2022. Dieser Anstieg überstieg den vieler EU-Nachbarländer, darunter Frankreich und Italien, wo die Preise um etwa 40 bis 50 Prozent stiegen. Andere Staaten wie Ungarn, Tschechien und Bulgarien hatten bereits zuvor ähnliche Preiskontrollen eingeführt, um die Energiekrise nach Russlands Angriff auf die Ukraine zu bewältigen.
Mit den nun günstigeren Spritpreisen in Polen wird erwartet, dass noch mehr deutsche Pendler die Grenze überqueren, was den sogenannten "Tanktourismus" weiter anheizen dürfte.
Die neuen Preisregelungen in beiden Ländern spiegeln die Bemühungen wider, die Kraftstoffkosten angesichts anhaltender geopolitischer Spannungen zu stabilisieren. Während Polens Preisdeckel sofortige Entlastung bietet, soll die deutsche Begrenzung der täglichen Preisanpassungen plötzliche Preissprünge verhindern. Die Auswirkungen auf das grenzüberschreitende Einkaufsverhalten und die langfristige Preisentwicklung werden sich in den kommenden Wochen deutlicher zeigen.






