"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied nichts mit der Pest zu tun hat
Noah Jäger"Ringel, Ringel, Reihe": Warum das Kinderlied nichts mit der Pest zu tun hat
Das Kinderlied „Ringel, Ringel, Reihe“ wird seit langem mit der Großen Pest in Verbindung gebracht. Viele glauben, es beschreibe Symptome und Bestattungsrituale aus dem 17. Jahrhundert. Historiker jedoch argumentieren, dass es für diese Deutung keine belastbaren Belege gibt.
Erstmals schriftlich belegt wurde das Lied 1881 – lange nach der Pestzeit. Damit entfällt die Annahme einer mündlichen Überlieferung über fünf Jahrhunderte. Seine früheste bekannte Fassung stammte vermutlich aus einem Kinderspielgesang des 18. Jahrhunderts in Deutschland.
Im Laufe der Zeit änderten sich die Texte je nach Region, sodass zahlreiche Varianten entstanden. Das erschwert die Rückverfolgung des wahren Ursprungs. Die Idee, das Lied beziehe sich auf die Pest, tauchte erst 1961 auf – mehr als 80 Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung.
Einige vermuten, es gehe auf sogenannte „play parties“ zurück, bei denen junge Leute sangen und tanzten, um religiöse Verbote zu umgehen. Andere glauben, es sei von Anfang an als heiteres Kinderlied gedacht gewesen. Experten sind sich heute weitgehend einig: Es gibt keinen Beweis für einen Zusammenhang mit Krankheit oder Tod.
Die Theorie, „Ringel, Ringel, Reihe“ habe mit der Pest zu tun, bleibt unbelegt. Wahrscheinlich handelt es sich um ein einfaches, fröhliches Spiel für Kinder. Sein düsterer Ruf scheint eher ein moderner Mythos als historische Tatsache zu sein.






