Rockband Madsen und Grundschüler werden nach politischem Song-Projekt mit Hass überzogen
Leni SchulzRockband Madsen und Grundschüler werden nach politischem Song-Projekt mit Hass überzogen
Deutsche Rockband und Grundschulkinder nach politischem Lied-Projekt mit Hasskommentaren überzogen
Eine deutsche Rockband und eine Gruppe von Grundschülern sind nach einer gemeinsamen Arbeit an einem politischen Song einer Welle von Online-Hass ausgesetzt worden. Das Projekt, das eigentlich junge Stimmen fördern sollte, löste stattdessen Drohungen und hasserfüllte Kommentare in sozialen Medien aus. Viele der Angriffe scheinen künstlich generiert oder von Bots koordiniert gewesen zu sein – gerichtet gegen die Band, Lehrkräfte, Eltern und sogar die Kinder selbst.
Der Shitstorm begann, als ein kurzes Video, in dem die Kinder erzählten, was sie wütend macht, online geteilt wurde. Innerhalb weniger Tage hagelte es über 2.000 hassvolle Nachrichten, sodass die Band die Beiträge löschen und die Polizei einschalten musste.
Das Projekt war kurz vor Ostern gestartet worden, als 50 Dritt- und Viertklässler der Grundschule Scheeßel mit der Band Madsen zusammenarbeiteten. Gemeinsam übten sie den Refrain von "Auf die Barrikaden" ein – ein Song, der sich für offene Grenzen, reproduktive Rechte, queere Sichtbarkeit und gegen Nationalismus einsetzt. Frontmann Sebastian Madsen hatte die Kinder eingeladen, nachdem eine Schülerin ihm Demokratie am Beispiel des Kunstunterrichts erklärt hatte.
Die Schulleiterin Meike Nerding-Ehlbeck wies Vorwürfe der Indoktrination zurück. Sie bestätigte, dass die Songtexte vorher mit den Schülerinnen und Schülern besprochen worden seien. Dennoch eskalierte die Online-Reaktion rasant. Unter den Kommentaren fanden sich Drohungen, Beleidigungen und falsche Behauptungen, die Kinder würden manipuliert.
Nachdem ein Elternteil Bedenken geäußert hatte, löschte die Band die Videos und erstattete mit Unterstützung von HateAid, einer Organisation gegen digitale Gewalt, Anzeige. Der Vorfall zeigt die anhaltenden Risiken für Opfer von Online-Hass – gerade zu einer Zeit, in der die Bundesregierung mit dem "Gesetz gegen digitale Gewalt" neue Regelungen gegen Deepfakes und digitale Hetze vorbereitet.
Die Zusammenarbeit zwischen Madsen und den Kindern sollte eigentlich eine kreative und lehrreiche Erfahrung sein. Stattdessen wurde sie zum Ziel koordinierter Online-Angriffe, die Schutzlücken für Betroffene digitaler Belästigung offenbaren. Die Polizei ermittelt nun wegen der Drohungen, während Schule und Band versuchen, die Folgen des Vorfalls zu bewältigen.






