Syriens Übergangspräsident in Berlin: Hoffnung und Kritik beim Wiederaufbau
Leni SchulzSyriens Übergangspräsident in Berlin: Hoffnung und Kritik beim Wiederaufbau
Ahmed al-Scharaa, Syriens kommissarischer Präsident, befindet sich derzeit zu diplomatischen Gesprächen in Berlin. Die Reise stößt sowohl auf Zustimmung als auch auf Kritik aus der Zivilgesellschaft, darunter von Adopt a Revolution, einer Organisation, die seit 2011 in Syrien lokale Gemeinschaften und demokratische Institutionen stärkt.
Sophie Bischoff, Co-Vorsitzende von Adopt a Revolution, bezeichnete al-Scharaas Einladung als richtigen Schritt, betonte jedoch, dass deutsche Unterstützung an klare Bedingungen geknüpft sein müsse. Sie warnte, Syrien leide weiterhin unter einem gravierenden demokratischen Defizit, und kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dafür, Hilfe an die Wiederbelebung von Abschiebeabkommen zu knüpfen. Bischoff verwies zudem auf wachsende autoritäre Tendenzen innerhalb der syrischen Übergangsregierung – trotz des Sturzes des Assad-Regimes im Dezember 2024.
Deutschland hat bereits konkrete Schritte zur Unterstützung des syrischen Wiederaufbaus eingeleitet. Am 27. März 2026 brachte ein deutsch-syrischer Wirtschaftsrundtisch hochrangige Vertreter zusammen, um über Energie, Handel und Finanzen zu beraten. Die Technische Hilfswerk (THW) unterzeichnete eine Vereinbarung mit der syrischen Katastrophenschutzbehörde zum Wiederaufbau von Einsatzzentren und zur Schulung lokaler Kräfte. Die KfW-Entwicklungsbank stellte über das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) zudem 119 Millionen Euro – finanziert über das UNDP – für die Wiederherstellung von Märkten, Produktionsstätten und Krankenhäusern bereit. Kanzler Merz kündigte außerdem die Einrichtung einer gemeinsamen Taskforce sowie Rückkehrprogramme für vertriebene Syrer an.
Adopt a Revolution fordert stärkere rechtliche Absicherungen für in Deutschland lebende Syrer, die zurückkehren möchten. Die Organisation verlangt zudem eine größere Einbindung lokaler Gemeinschaften in Wiederaufbauprojekte, einschließlich Unterstützung für Rückkehrer und Binnenvertriebene. Farhad Ahma vom syrischen Kulturzentrum PEL-Civil Waves äußerte Bedenken, dass sich Berlins Engagement auf die Übergangsregierung beschränke und breitere zivilgesellschaftliche Stimmen ausschließe.
Der Besuch markiert einen entscheidenden Moment für die Zukunft Syriens, in dem Deutschland wirtschaftliche Hilfe und politische Auflagen abwägt. Zwar laufen Wiederaufbaumaßnahmen an, doch zivilgesellschaftliche Gruppen fordern weiterhin inklusive Demokratieförderung. Die Ergebnisse dieser Gespräche werden sowohl Syriens Erholung als auch Deutschlands Rolle in diesem Prozess prägen.






