26 March 2026, 12:09

"Tagesschau" wagt 30-Minuten-Experiment – kann die Verlängerung Zuschauer zurückgewinnen?

Titelseite einer deutschen Zeitung vom 13. November 1939 mit der Überschrift "Weitpreubliche Zeitung", die eine Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung in einer feierlichen Umgebung zeigt.

"Tagesschau" wagt 30-Minuten-Experiment – kann die Verlängerung Zuschauer zurückgewinnen?

Die ARD testet eine längere Version ihrer Hauptnachrichtensendung Tagesschau. Der Probebetrieb beginnt am Montag um 20:15 Uhr mit einer 30-minütigen Ausgabe – doppelt so lang wie bisher. Der Sender erhofft sich dadurch eine stärkere Alltagsrelevanz der Nachrichten und eine breitere Zuschauerresonanz.

Doch die Entscheidung sorgt für Diskussionen unter Kritikern und Branchenexperten. Manche halten die Verlängerung für überflüssig, andere zweifeln daran, ob sie die Zuschauerbindung tatsächlich stärkt oder stattdessen gewohnte Programmabläufe stört.

In den vergangenen fünf Jahren verlor die Tagesschau an Zuschauern. Die durchschnittliche Einschaltquote sank von 7,5 auf 6,2 Millionen, wobei der Rückgang bei jüngeren Zuschauern besonders ausgeprägt war: Bei der Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen betrug der Verlust 25 Prozent. Ältere Zuschauer (über 60) blieben dagegen stabil, während Konkurrenzformate wie Tagesthemen und Phoenix kaum Schwankungen verzeichneten. Trotzdem bleibt die Tagesschau die reichweitenstärkste Nachrichtensendung Deutschlands.

Jörg Schönenborn, Programmdirektor des WDR, schlägt das erweiterte Format als Brücke zwischen globalen Ereignissen und persönlichen Erfahrungen vor. Eine längere Sendezeit könnte seiner Meinung nach das Vertrauen und die Bindung der Zuschauer vertiefen. Kritiker wie der FAZ-Journalist Michael Hanfeld halten dagegen 15 Minuten für ausreichend. Er warnt, dass eine 30-minütige Ausgabe mit dem Primetime-Programm der ARD kollidieren könnte.

Anna Mayr von der Zeit plädiert dafür, lieber die Qualität als die Länge zu verbessern. Auch die Journalistin Aurelie von Blazekovic hinterfragt, ob der Versuch, alltagsnaher zu werden, tatsächlich neue Zuschauer gewinnen wird. Unterdessen bleibt der Entscheidungsprozess bei der ARD komplex – eine endgültige Bewertung des Probebetriebs könnte daher noch auf sich warten lassen.

Der Testlauf der 30-minütigen Tagesschau steht bevor, doch ihr langfristiges Schicksal ist noch ungewiss. Die ARD will Vertrauen zurückgewinnen und vor allem jüngere Zuschauer erreichen. Ob das gelingt, hängt davon ab, wie das Publikum reagiert und ob das erweiterte Format den Rückgang der Einschaltquoten umkehren kann.

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