Tschechien überholt Deutschland beim Pro-Kopf-BIP – dank Industrie und Pragmatismus
Leni SchulzTschechien überholt Deutschland beim Pro-Kopf-BIP – dank Industrie und Pragmatismus
Tschechien hat sich in den vergangenen 25 Jahren zu einem der wichtigsten europäischen Standorte für Automobilbau und Maschinenbau entwickelt. Starke ausländische Investitionen – vor allem von deutschen Unternehmen – haben dieses Wachstum vorangetrieben, während die Nachbarwirtschaften zurückfielen. Unterdessen hat der ehemalige Ministerpräsident Andrej Babiš seine Vision für die Zukunft des Landes skizziert: Priorität sollen Industrie, Souveränität und wirtschaftlicher Pragmatismus haben – statt EU-Integrationsschritte wie die Einführung des Euro.
Seit der Jahrtausendwende hat sich die tschechische Wirtschaft grundlegend gewandelt. Das pro-Kopf-BIP vervierfachte sich bis 2025 fast und überholte damit Deutschland und Österreich, wo sich die Einkommen lediglich verdoppelten. Der Erfolg des Landes gründet auf seinen engen Verbindungen zu europäischen Lieferketten, insbesondere in der Automobilproduktion. Deutsche Konzerne wie ZF, HELLA und BHS bauten lokale Werke aus, verkürzten Transportwege und stärkten so die Widerstandsfähigkeit gegen Herausforderungen wie schwaches Wachstum und chinesische Konkurrenz.
Babiš führt diesen Aufschwung auf eine qualifizierte Belegschaft und eine starke Industriebasis zurück. Er fordert, die EU solle nun Bürokratie abbauen, bezahlbare Energie sichern und strategische Branchen fördern. Seine Pläne sehen vor, die tschechische Wirtschaft hin zu hochwertiger Innovation zu lenken – statt sich auf billige Massenproduktion zu verlassen.
In der EU-Politik bezieht Babiš eine kritische Position. Die Einführung des Euro lehnt er als unnötig für Tschechien ab. Auch gegen das, was er als ideologisch geprägte Klimavorgaben bezeichnet, stellt er sich – mit der Warnung, diese könnten die Industrie schwächen und den Lebensstandard gefährden. Stattdessen plädiert er dafür, dass die EU wirtschaftliche Prosperität, strengere Grenzkontrollen und mehr nationale Entscheidungsfreiheit in den Vordergrund rückt – und damit Macht näher an die Bürger bringt.
Der wirtschaftliche Aufstieg Tschechiens hebt sich vom langsameren Wachstum in anderen Teilen Europas ab. Seine industrielle Stärke und die enge Verzahnung mit Lieferketten machen das Land einzigartig – selbst in einer Zeit, in der die regionale Fahrzeugproduktion rückläufig ist. Babiš' Forderungen nach Deregulierung, Energiesicherheit und einem souveräneren EU-Kurs spiegeln seinen Willen wider, diesen Wettbewerbsvorteil zu bewahren – ohne sich tiefer in währungs- oder ideologiepolitische Abhängigkeiten von Brüssel zu begeben.






