VW zahlt Rekordprämien an Mitarbeiter trotz Diesel-Skandal und Millionenklage
Philipp HartmannVW zahlt Rekordprämien an Mitarbeiter trotz Diesel-Skandal und Millionenklage
Trotz der Rekordverluste durch den Diesel-Abgasskandal erhält die Stammbelegschaft von Volkswagen für das Jahr 2015 eine Prämie von fast 4.000 Euro. Die Auszahlung, die im Rahmen des haustariflichen Entgeltabkommens des Konzerns bekannt gegeben wurde, kommt rund 120.000 Mitarbeitenden zugute, die unter das interne Tarifsystem fallen.
Unterdessen hat Norwegens staatlicher Pensionsfonds, NBIM, angekündigt, gegen Volkswagen zu klagen. Der Fonds wirft der VW-Führung vor, von der illegalen Abschalteinrichtung gewusst zu haben, mit der Abgastests manipuliert wurden.
Die Vereinbarung über die Prämie wurde am Freitag finalisiert, wie Bernd Osterloh, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von VW, bestätigte. Die Mitarbeiter erhalten ihre Gewinnbeteiligungen im Mai ausgezahlt – pro Kopf etwa 3.950 Euro. Stephan Weil, der sozialdemokratische (SPD) Ministerpräsident Niedersachsens und Mitglied des VW-Aufsichtsrats, begrüßte die Einigung.
Doch der Streit um die Managerboni bleibt ungelöst. SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisierte, dass Millionenauszahlungen an Vorstandsmitglieder genehmigt wurden, während das Unternehmen in einer tiefen Krise steckt. Als Reaktion haben VW-Vorstände einen Teil ihrer variablen Vergütung für drei Jahre zurückgestellt und deren Auszahlung an eine Erholung des Aktienkurses geknüpft.
NBIM, der größte Pensionsfonds der Welt, hält etwa 1,64 Prozent der VW-Stammaktien. Durch den drastischen Kursverfall der VW-Aktie nach Bekanntwerden des Skandals hat der Fonds Hundertmillionen verloren. Mit der Klage zielt er auf die Unternehmensführung ab, der er vorwirft, von der illegalen Software in Diesel-Fahrzeugen gewusst zu haben.
Die Prämienzahlungen an die Belegschaft werden wie geplant erfolgen – trotz der anhaltenden Folgen des Abgasskandals. Die Klage von NBIM erhöht den Druck auf den Konzern weiter, während die Debatte über die Angemessenheit der Managergehälter weiterhin ungelöst bleibt. Die Mitarbeiter erhalten ihre Zahlungen im Mai, doch die Frage, ob Boni in einer Phase finanzieller Turbulenzen gerechtfertigt sind, bleibt offen.






