15 March 2026, 06:10

Warum in Deutschland immer mehr Apotheken schließen – und wer betroffen ist

Eine Apotheke mit Glaswänden und -türen an einer Straßenecke, mit Plakaten an den Wänden und einer Straße unten.

Warum in Deutschland immer mehr Apotheken schließen – und wer betroffen ist

Apothekensterben in Deutschland folgt klaren strukturellen Trends der vergangenen fünf Jahre

Wettbewerb und lokale Marktbedingungen haben den Rückgang der Apotheken vorangetrieben – besonders in Gebieten mit einer hohen Apothekendichte. Nun drängen Krankenkassen auf Reformen, um bundesweit einen gerechten Zugang zu Medikamenten zu sichern.

Zwischen 2020 und 2025 verzeichneten ländliche Regionen einen stetigen Rückgang der Apothekenzahlen, wobei einige Gebiete 5 bis 10 Prozent ihrer Standorte verloren. In städtischen Zentren blieb die Apothekendichte dagegen stabil. Die Kluft vergrößerte sich: Während ländliche Gebiete im Schnitt nur noch eine Apotheke auf 5.000 bis 7.000 Einwohner hatten, lag der Wert in Städten bei einer Apotheke pro 2.000 bis 3.000 Einwohner. Überalterung und finanzielle Engpässe kleiner Apotheken waren maßgebliche Faktoren für diese Entwicklung.

Bis 2025 konnten rund eine halbe Million Menschen keine Apotheke mehr innerhalb von fünf Gehminuten erreichen. Etwa 1,7 Millionen Menschen – das entspricht 2 Prozent der Bevölkerung – mussten mindestens 15 Minuten zu Fuß einplanen. Gleichzeitig lebten 73.000 Einwohner (0,1 Prozent), die selbst mit dem Auto keine Apotheke innerhalb von 15 Minuten erreichen konnten – 10.000 mehr als noch 2020. Dennoch hatten 99,9 Prozent der Deutschen weiterhin mit dem Auto innerhalb einer Viertelstunde Zugang zu einer Apotheke, ein leichter Rückgang um 0,6 Prozentpunkte seit 2020.

Fast zwei Drittel aller Arztpraxen haben mittlerweile eine Apotheke in maximal zehn Gehminuten Entfernung. Über 90 Prozent sind mit dem Auto in fünf Minuten oder weniger bei einer Apotheke. Diese Zahlen stammen von der Barmer, einer der größten Krankenkassen Deutschlands, sowie aus einer Studie des Iges-Instituts im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes.

Der GKV-Spitzenverband fordert nun eine Reform der Apothekenvergütung, um die flächendeckende Versorgung zu sichern. Vorgeschlagen wird eine niedrigere Pauschale für Apotheken mit hohem Umsatz und eine höhere Vergütung für solche mit geringeren Verkaufszahlen. Ziel ist es, die bestehenden Mittel gerechter zu verteilen – ohne die Gesamtausgaben zu erhöhen.

Die Reformen sollen die Apothekenverteilung ausbalancieren, ohne zusätzliche Finanzmittel bereitzustellen. Zwar haben die meisten Menschen in Deutschland weiterhin schnellen Zugang zu Medikamenten, doch in ländlichen Regionen verschärfen sich die Herausforderungen. Die Krankenkassen argumentieren, dass gezielte Anpassungen der Vergütung helfen könnten, lokale Apothekennetze in unterversorgten Gebieten zu erhalten.

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