Warum junge Männer zwischen AfD und Grünen polarisieren – und was das für die Europawahl bedeutet
Finn WagnerWarum junge Männer zwischen AfD und Grünen polarisieren – und was das für die Europawahl bedeutet
Vor den Europawahlen 2024 hat sich die Debatte über Männlichkeit und Politik weiter zugespitzt. Der AfD-Politiker Maximilian Krah schlug kürzlich vor, dass junge Männer, die Schwierigkeiten haben, Partnerinnen zu finden, „nach rechts“ tendieren sollten. Gleichzeitig versucht Felix Banaszak von den Grünen, junge Männer mit feministischen Ideen zu erreichen – was innerhalb seiner eigenen Partei sowohl Zustimmung als auch Kritik auslöst.
Die Diskussion knüpft an ein deutliches Wahlmuster der letzten Bundestagswahl an: Junge Männer stimmten mehrheitlich für die rechtspopulistische AfD, während junge Frauen eher linksliberale Parteien bevorzugten. Diese Kluft zwingt Politiker dazu, ihre Ansprache an männliche Wähler neu zu überdenken.
Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, hat mehrfach versucht, junge Männer zu erreichen. Im Februar gab er ein Interview mit Playboy, in dem er feministische Ideen bewirbt. Später räumte er ein, dass ein Social-Media-Post über die Rolle von Männern bei der Ermöglichung schädlichen Verhaltens bewusst provokant sein sollte. Banaszak argumentiert, dass starre Geschlechterrollen nicht nur Frauen, sondern auch Männer einschränken – und dass Männer Feminismus auch im eigenen Interesse unterstützen sollten.
Doch sein Ansatz stößt auf Widerstand. Der Bundesfrauenrat der Grünen hinterfragte seine Forderung nach einer Debatte über eine „Männerpolitik“ und äußerte Unmut über die Schwerpunktsetzung. Der Grünen-Europaabgeordnete Rasmus Andresen ist überzeugt, dass die Partei einen anderen Ton finden muss, um mit jungen Männern gemeinsame Schnittmengen zu entdecken.
Die Debatte ist nicht völlig neu. Bereits 2010 veröffentlichten 21 grüne Politiker ein Manifest mit dem Titel Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich. Vor zwei Jahrzehnten trug der Fußballtorwart Tim Wiese noch ohne Kritik an seiner Männlichkeit Pink auf dem Platz – ein Kontrast zu den heute polarisierteren Diskussionen. Banaszak, der sein Büro pink gestrichen hat, sieht seine persönlichen Entscheidungen als Teil einer größeren Herausforderung veralteter Klischees.
Der Austausch unterstreicht die wachsende politische Spaltung zwischen jungen Männern und Frauen. Während Krahs Äußerungen zur AfD-Linie passen, spiegelt Banaszaks Engagement den Versuch wider, Männlichkeit innerhalb der progressiven Politik neu zu definieren. Das Ergebnis könnte prägen, wie Parteien künftig männliche Wähler ansprechen.






