03 April 2026, 08:08

Warum Mitarbeiter Scheinproduktivität inszenieren – und was wirklich dahintersteckt

Eine Liniengrafik auf einem weißen Hintergrund mit der Überschrift "Die Vorteile der erhöhten Produktivität der letzten 35 Jahre sind nicht an die Mittelschicht gegangen."

Warum Mitarbeiter Scheinproduktivität inszenieren – und was wirklich dahintersteckt

Laut aktuellen Umfragen täuschen immer mehr Beschäftigte Produktivität vor, um den Erwartungen am Arbeitsplatz gerecht zu werden. Viele geben zu, ihren Online-Status zu manipulieren oder länger im Büro zu bleiben – allein um beschäftigt zu wirken. Dieser Trend zeigt sich, während Großunternehmen ihre Mitarbeiter nach Jahren flexibler Remote-Arbeit zurück ins Büro drängen.

Über ein Viertel der Arbeitnehmer – 27,7 % – räumt ein, den Status manuell auf "verfügbar" zu setzen, wenn sie im Homeoffice arbeiten. Damit wollen sie den Anschein von Produktivität erwecken, selbst wenn sie gerade nicht aktiv sind. Weitere 25,4 % bleiben abends länger im Büro, einfach weil ihr Vorgesetzter noch da ist – unabhängig davon, ob sie noch Aufgaben zu erledigen haben.

Hinter diesem Verhalten stehen tiefere Bedenken. Rund 32,5 % machen eine Präsenzkultur verantwortlich, in der Sichtbarkeit wichtiger ist als tatsächliche Leistung. Gleichzeitig fürchten 31,6 % um ihren Arbeitsplatz, wenn sie nicht engagiert genug wirken. Eine Mehrheit von 55,9 % ist überzeugt, dass Arbeitgeber Sichtbarkeit höher bewerten als messbare Ergebnisse.

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Trotzdem würden 66,2 % der Beschäftigten eine Gehaltskürzung von 5 % in Kauf nehmen, wenn ihre Leistung ausschließlich an Ergebnissen gemessen würde. Viele wünschen sich zudem Anreize, um die Büroarbeit attraktiver zu gestalten: 47,3 % fordern kürzere Anfahrtswege oder Zuschüsse für den Arbeitsweg.

Unternehmen verschärfen ihre Büroregeln nach der flexiblen Pandemiezeit. Deutsche Konzerne wie SAP, Otto und Volkswagen haben strengere Anwesenheitsvorgaben eingeführt, während Vodafone nun verbindliche Präsenzquoten durchsetzt. Amazon, die Deutsche Bank und andere folgen diesem Beispiel und setzen auf hybride Modelle, bei denen Mitarbeiter zwei bis drei Tage pro Woche vor Ort arbeiten. Dennoch planen über drei Viertel der Unternehmen, Remote-Arbeit beizubehalten oder sogar auszubauen – statt zur Vollzeit-Präsenz zurückzukehren.

Um sich anzupassen, gestalten einige Firmen ihre Büros um, um die Zusammenarbeit zu fördern, statt Einzelarbeit. Andere legen feste Teamtage für persönliche Treffen fest. Eine Umfrage des Jobportals Indeed ergab jedoch keinen klaren Zusammenhang zwischen physischer Anwesenheit und höherer Produktivität.

Der Druck zur Rückkehr ins Büro steht im Widerspruch zu den Wünschen der Beschäftigten nach Flexibilität und ergebnisorientierter Bewertung. Während Unternehmen ihre Richtlinien anpassen, inszenieren Mitarbeiter weiterhin Scheinproduktivität, um den vermuteten Erwartungen gerecht zu werden. Die Kluft zwischen einer auf Sichtbarkeit ausgerichteten Führung und ergebnisorientierten Teams bleibt eine der zentralen Herausforderungen moderner Arbeitswelten.

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