Wie Kieler Werften und Seemannslieder einen Schriftsteller prägten
Philipp HartmannWie Kieler Werften und Seemannslieder einen Schriftsteller prägten
Die Howaldtswerke-Werft in Kiel prägten einen ortsansässigen Schriftsteller nachhaltig
Aufgewachsen in der Nähe der Kieler Howaldtswerke hinterließen die täglichen Anblicke der gewaltigen Schiffe und Marinefahrzeuge bei einem lokalen Autor tiefe Spuren. Die faszinierende Welt des Meeres begeisterte ihn ein Leben lang – eine Leidenschaft, die durch Musik, Filme und die Geschichten von Seeleuten, ob real oder fiktiv, weiter geformt wurde.
Schon als Kind beobachtete der Autor, wie Militär- und Handelsschiffe aus fernen Häfen einliefen. Der Anblick ausländischer Schiffe, die in Kiel vor Anker gingen, ließ sein Herz höher schlagen. Doch noch tiefer prägte ihn das Meer durch die Stimmen seiner Umgebung – etwa den sonoren Bass eines Kirchenchor-Mitglieds, das auch im Lotsen-Gesangverein sang, einem 1929 gegründeten Steuermännerchor.
Deutsche Seemannslieder entstanden im 19. Jahrhundert in lebhaften Hafenstädten wie Hamburg und Kiel. Sie verbanden die Rhythmen der Arbeitsgesänge der Matrosen mit der Sehnsucht von Auswanderern und Händlern. In den 1930er- und 40er-Jahren machte Hans Albers – liebevoll "blonder Hans" genannt – diese Lieder zu landesweiten Erfolgen. Seine Interpretationen von La Paloma und Auf der Reeperbahn nachts um halb eins begeisterten selbst die Mutter des Autors.
Ein Film hinterließ besonders bleibende Eindrücke: Große Freiheit Nr. 7 (1944), in dem Albers den Seemann Hannes Kröger spielte, dessen unglückliche Liebe zu einer Frau namens La Paloma ihn auf die Padua treibt, eine stolze Viermastbark. Mit gebrochenem Herzen heuert er an und sticht in See. Dieses Schiff, heute als Kruzenshtern bekannt, existiert noch immer – als letztes erhaltenes Segelschiff der legendären Flying P-Liner, einer Flotte, die einst der Hamburger Reederei F. Laeisz gehörte.
Jahrzehnte später führte Freddy Quinn die Tradition in den 1950er- und 60er-Jahren mit Schlagern wie Heimweh fort. Noch heute summt der Autor bei Besuchen auf Hochseeschiffen Quinns Einmal noch nach Bombay. Für ihn bleiben diese Lieder – und die Schiffe, die sie inspirierten – eine Brücke zwischen Erinnerung und dem weiten Ozean.
Das Meer hat die Popkultur seit jeher geprägt und dient als Metapher für Sehnsucht, Abenteuer und Flucht. Von den Kieler Werften bis zur Leinwand wirkt sein Einfluss in Musik und Film nach. Die Geschichte des Autors – geprägt von Shanties, Segelschiffen und einer Kindheit am Horizont – zeigt, wie tief diese Wellen noch immer nachhallen.






