Wiener Festwochen 2024: Triumphe, Skandale und ein mutiges Jubiläum
Philipp HartmannWiener Festwochen 2024: Triumphe, Skandale und ein mutiges Jubiläum
Die Wiener Festwochen präsentierten in diesem Jahr ein mutiges und vielseitiges Programm. Zu den Höhepunkten zählten herausragende Aufführungen, ambitionierte Spektakel und einige Fehlschläge während der fünfwöchigen Spielzeit.
Eröffnet wurde das Festival von Milo Rau mit Republik der Götter, einer monumentalen Inszenierung, die er als das „größte Stück aller Zeiten“ bezeichnete. Die Uraufführung markierte zugleich den 75. Geburtstag des Events. Später gab Rau zu, dass die Verdichtung aller religiösen Themen in einem einzigen Festival vielleicht zu viel des Guten gewesen sei.
Zu den gefeiertsten Produktionen zählte Thorsten Lensings Tanzende Idioten. Die Kritik hob besonders Ursina Lardi für ihre eindringliche Darstellung einer todkranken Frau hervor. Auch Patti Smith hinterließ mit ihren Auftritten einen bleibenden Eindruck, während Florentina Holzingers Pfingstspiel langanhaltenden Beifall erntete.
Ein weiterer unvergesslicher Abend war Angélica Liddells Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben. Brigitta Muntendorfs Der Tag davor verwandelte das Musiktheater in ein eindrucksvolles Manifest gegen Gewalt. Den Abschluss bildete Turn des Gob Squad, ein interaktives Stück, das sich mit dem Doppelexistenzen-Phänomen auseinandersetzte.
Nicht alle Produktionen überzeugten: Nestervals überladene Interpretation der Nibelungensage verfehlte ihre Wirkung, und Susanne Kennedys Parsifal litt unter den erdrückenden Digital-Effekten von Markus Selg.
Das Festival bot eine Mischung aus Triumphen und Rückschlägen. Das ambitionierte Programm bescherte unvergessliche Momente – aber auch einige Enttäuschungen. Die 75. Ausgabe wird sowohl für ihren Mut als auch für ihre ungleichen Ergebnisse in Erinnerung bleiben.






