09 May 2026, 14:12

AfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Angriff auf deutsche Schuldkultur

Buch mit dem Titel 'Deutsches Kolonial-Feitung' vom 11/1940 mit einem Bild von Adolf Hitler auf dem Cover, gehalten von einer Person in einer Gruppe mit Mützen.

AfD-Politiker Tillschneider provoziert mit Angriff auf deutsche Schuldkultur

Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt, hat mit einer jüngsten Äußerung zur deutschen Nachkriegsgeschichtsschreibung für Aufsehen gesorgt. Anlässlich des 81. Jahrestags der Befreiung vom Nationalsozialismus bezeichnete er die deutsche Schuldaneignung als „moralische Katastrophe“ und eine verzerrte Opfererzählung.

Tillschneider kritisierte die seit Langem etablierte Anerkennung der NS-Verbrechen durch Deutschland als „absurde Schuldkultur“ und „imaginäre Kollektivschuld“. Besonders griff er die historische Rede Richard von Weizsäckers aus dem Jahr 1985 an, in der dieser die deutsche Verantwortung für den Holocaust bekräftigt hatte, und bezeichnete sie als „geistige Kapitulation“. Mit dieser Ablehnung des gesellschaftlichen Konsenses stellte er die AfD außerhalb des Mainstreams der deutschen moralischen Aufarbeitung.

Er berief sich dabei auf ein Zitat Franz Josef Strauß’ aus dem Jahr 1984, der die „ewige Vergangenheitsbewältigung als dauernde Buße“ verurteilte. Tillschneider argumentierte, die Deutschen hätten sich Demokratie und Menschenrechte nicht aus Überzeugung, sondern als Flucht vor Schuldgefühlen zu eigen gemacht. Noch weiter gehend deutete er die Befreiung vom Nationalsozialismus nicht als historische Notwendigkeit, sondern als „Preis für die Amputation riesiger deutscher Kulturlandschaften“.

Der Politiker forderte zudem eine „normale deutsche Identität“ und relativierte damit die Bedeutung der Auseinandersetzung mit der Täterrolle Deutschlands während der NS-Zeit. Seine Aussagen wurden umgehend als „Schlag ins Gesicht der NS-Opfer“ verurteilt. Kritiker warfen der AfD Sachsen-Anhalt vor, durch die Darstellung Deutschlands als Opfer statt als Täter Geschichte umschreiben zu wollen.

Tillschneiders Äußerungen stellen den Kern der deutschen Nachkriegsidentität infrage, die sich maßgeblich auf die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit gründet. Sein Plädoyer für eine „normale“ nationale Identität ohne Schuldgefühle bringt die AfD in Gegensatz zu Jahrzehnten historischer Reflexion und öffentlichen Gedenkens. Die heftigen Reaktionen zeigen, wie brisant diese Debatte in der deutschen Politik nach wie vor ist.

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