Buchhandlungspreis: Minister stößt mit Streichungen auf scharfe Kritik
Philipp HartmannBuchhandlungspreis: Minister stößt mit Streichungen auf scharfe Kritik
Die Gewerkschaft ver.di hat die Entscheidung von Kulturminister Wolfram Weimer, drei Buchhandlungen von der Shortlist des Deutschen Buchhandlungspreises auszuschließen, scharf kritisiert. Andrea Wemheuer, die regionale Vorsitzende der Gewerkschaft, bezeichnete den Schritt als "katastrophal" und warnte vor den Folgen für die kulturelle Freiheit. Die betroffenen Buchhandlungen waren zuvor von einer unabhängigen Jury ausgewählt worden, bevor der Minister eingriff.
Weimer strich die Rote Straße in Göttingen, The Golden Shop in Bremen und Zur schwankenden Weltkugel in Berlin von der Liste. Zur Begründung verwies er auf "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse" und argumentierte, staatliche Förderung dürfe nicht an "Staatsfeinde" fließen. Damit setzte er sich selten über die Entscheidung der Jury hinweg, die die drei linksgerichteten Buchhandlungen ursprünglich berücksichtigt hatte.
Wemheuer verurteilte den Ausschluss und betonte, Buchhandlungen seien unverzichtbare Orte des kulturellen Austauschs. Gleichzeitig zeigte sie sich solidarisch mit den betroffenen Läden und kritisierte, die Entscheidung untergrabe deren gesellschaftliche Rolle. Unterdessen stellte sich die Verlags- und Buchbranche schnell hinter die ausgestrichenen Buchhandlungen – viele sprachen sich für deren Wiedereinbeziehung aus.
Zwei der ausgeschlossen Läden – die Rote Straße und The Golden Shop – stehen in Verbindung mit dem ver.di-Landesverband, was die Sorgen der Gewerkschaft über das Vorgehen des Ministers noch verstärkt.
Die Kontroverse zeigt die Spannungen zwischen staatlicher Aufsicht und kultureller Unabhängigkeit auf. Die betroffenen Buchhandlungen bleiben für künftige Auszeichnungen qualifiziert, sofern keine weiteren Beschränkungen verhängt werden. Die Reaktion der Branche deutet jedoch auf eine grundsätzliche Verunsicherung über politischen Einfluss auf kulturelle Anerkennung hin.