"Den Himmel mit beiden Händen halten": Wie Lales Kindheit in einer Berliner Männer-WG sie prägte
Leni Schulz"Den Himmel mit beiden Händen halten": Wie Lales Kindheit in einer Berliner Männer-WG sie prägte
Ein neues Buch, "Den Himmel mit beiden Händen halten", erzählt die erschütternde Geschichte von Lale, einem Mädchen, das in den 1980er-Jahren in einer chaotischen Berliner Männer-WG aufwuchs. Ihre Kindheit war geprägt von Vernachlässigung, Missbrauch und der grausamen Realität eines radikalisierten politischen Umfelds.
Die Erinnerungen fesseln die Leser:innen, die zwischen bangem Mitgefühl und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft für Lale die Seiten umblättern.
Lales frühe Jahre waren von Instabilität bestimmt. Mit nur achtzehn Monaten wurde sie in staatliche Obhut genommen, nachdem sie in Gegenwart ihrer Mutter Rohypnol-Tabletten eingenommen hatte. Ihr Vater, damals inhaftiert, konnte nicht eingreifen.
Später landete sie in einer Berliner Männer-WG, in der revolutionäre Ideen diskutiert, aber Sicherheit kaum geboten wurde. Frauen galten dort als austauschbare Figuren – mit einer Ausnahme: Lale. Sie war toxischen Substanzen ausgesetzt und erlitt Schlimmeres: Einer der Mitbewohner missbrauchte sie sexuell.
Die Schule wurde zu ihrem einzigen Rückzugsort – bis die Pubertät begann. Danach stürzte ihr Leben in Sucht und instabile Beziehungen ab. Ihr Vater, der sich später der WG anschloss, blieb ahnungslos über ihr Leid.
Hintergrund von Lales Schicksal war ein gespaltenes Deutschland. Die 1970er- und 80er-Jahre waren geprägt von heftigen Protesten gegen den Staat, genährt durch das Erbe der Notstandsgesetze, Willy Brandts Ostpolitik und die unbewältigten Traumata der NS-Zeit. Die Radikalisierung von Gruppen wie der RAF vertiefte die gesellschaftlichen Gräben; Anschläge und Mord – etwa die Ermordung Hanns Martin Schleyers 1977 – polarisierten die Nation.
Lales Memoiren legen die bleibenden Narben einer im Chaos verbrachten Kindheit schonungslos offen. Die schonungslose Ehrlichkeit des Buches berührt die Leser:innen zutiefst – sie blättern die Seiten mit verzweifelter Hoffnung auf ihr Überleben um.
Ihre Geschichte spiegelt auch eine ganze Ära des politischen Extremismus wider, in der persönliche Tragödien vor dem Hintergrund nationaler Umbrüche stattfanden.






