Deutschland setzt auf Windräder selbst in windschwachen Regionen bis 2030
Philipp HartmannDeutschland setzt auf Windräder selbst in windschwachen Regionen bis 2030
Deutschland treibt die Pläne zum Ausbau der Windkraft auch in seinen windschwächsten Regionen voran. Umweltminister Carsten Schneider will bis 2030 rund 2.000 neue Windräder errichten – selbst in Gebieten mit geringen Windgeschwindigkeiten. Damit soll die Abhängigkeit vom Stromtransport über weite Strecken verringert und gleichzeitig die ehrgeizigen Klimaziele erreicht werden.
Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2050 den gesamten Strom klimaneutral zu erzeugen. Als Zwischenziel sieht das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vor, dass bis 2030 bereits 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen sollen. Um Investitionen in windschwachen Regionen attraktiver zu machen, gewährt das EEG höhere Fördergelder, um den natürlichen Nachteil auszugleichen. Schneiders Plan behält das bestehende "Referenzertragsmodell" bei, das Betreiber für geringere Erträge in Gebieten mit schwächerem Wind entschädigt.
Bayern verdeutlicht die Herausforderung: Der durchschnittliche "Gütefaktor" für Wind liegt dort bei nur 55 Prozent, dennoch stehen 76 Prozent der Anlagen in windschwachen Zonen – und erhalten trotzdem erhebliche Subventionen. Kritiker warnen, dass die hohen Windstromkosten in Süddeutschland die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie gefährden könnten. Deutschland verfügt bereits jetzt über die höchsten Strompreise Europas; energieintensive Unternehmen zahlen in diesem Jahr im Schnitt 10,5 Cent pro Kilowattstunde.
Bis 2030 plant Deutschland, zusätzliche 12 Gigawatt Windkraftleistung auszuschreiben. Schneider argumentiert, dass eine gleichmäßigere Verteilung der Windräder über das ganze Land den Bedarf an teuren Stromnetzen verringern und die Versorgungssicherheit erhöhen werde.
Der Ausbau der Windenergie in windschwachen Regionen bleibt jedoch auf anhaltende Subventionen angewiesen, um wirtschaftlich tragfähig zu sein. Gelingt der Plan, könnte er Deutschland helfen, das 80-Prozent-Ziel für 2030 zu erreichen und gleichzeitig die überlasteten Stromnetze zu entlasten. Für die Wirtschaft könnte dies jedoch weitere Kostendruck bedeuten, während das Land Klimaschutz und industrielle Bedürfnisse unter einen Hut bringen muss.






