Droht Deutschlands größter Suchtklinik für Jugendliche die Schließung bis Juni?
Noah JägerDroht Deutschlands größter Suchtklinik für Jugendliche die Schließung bis Juni?
Deutschlands größte Fachklinik für Suchtrehabilitation bei Kindern und Jugendlichen steht vor der Schließung
Die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn, betrieben von der Leinerstift-Gruppe, könnte am 30. Juni ihre Türen für immer schließen – sofern bis zum 10. Mai keine finanzielle Rettung gelingt. Ohne eine Lösung fallen 60 dringend benötigte Therapieplätze für junge Patientinnen und Patienten weg.
Die finanziellen Probleme der Klinik resultieren aus ihrem kostspieligen, aber lebenswichtigen Betreuungsmodell. Das Team bietet rund um die Uhr Therapie, schulische Förderung und Familienbegleitung an – Leistungen, die die täglichen Ausgaben weit über die aktuellen Zuschüsse steigen lassen. Die Deutsche Rentenversicherung, Hauptgeldgeber der Einrichtung, überweist pro Patient und Tag 320 Euro, doch die Klinikleitung gibt an, dass die realen Kosten um 70 Prozent höher lägen.
Eine vorübergehende Einigung im Jahr 2024 sicherte zwar den Fortbestand, doch die vereinbarten Sätze reichten nicht aus. Nun hat die Leinerstift-Gruppe ein neues Finanzierungsmodell vorgeschlagen: Die Kosten sollen künftig zwischen gesetzlichen Krankenkassen, der Landesregierung Niedersachsens und der Jugendhilfe aufgeteilt werden. Die Deutsche Rentenversicherung hingegen verweist auf bundesweit 450 Reha-Plätze – viele davon jedoch für Erwachsene und nicht speziell für Minderjährige.
Fachleute warnen vor einer eskalierenden Krise. Laut dem Bündnis für Kinder- und Jugendrehabilitation gibt es in Deutschland nur drei Kliniken, die auf Suchtbehandlung bei Jugendlichen spezialisiert sind. Bei geschätzten 200.000 Jugendlichen mit substanzbezogenen Störungen – davon 45.000 mit illegalen Drogen – übersteigt der Bedarf das Angebot bereits jetzt bei Weitem.
Die Schließung der Klinik würde eine der wenigen spezialisierten Behandlungsmöglichkeiten für junge Menschen in Deutschland beseitigen. Findet sich bis zum 10. Mai keine Lösung, verlieren 60 Patientinnen und Patienten den Zugang zu lebensnotwendiger Therapie. Gleichzeitig wird sich zeigen, ob ein neues, gemeinschaftlich getragenes Finanzierungsmodell die Zukunft der Jugendreha in Deutschland sichern kann.






