Immer weniger Minijobber schaffen den Sprung in Vollzeitstellen – warum?
Philipp HartmannImmer weniger Minijobber schaffen den Sprung in Vollzeitstellen – warum?
Immer weniger Minijobber schaffen den Sprung in eine Vollzeitstelle – das zeigen aktuelle Zahlen. Während 2017 noch über 100.000 diesen Schritt wagten, ging die Zahl bis 2022 deutlich zurück. Politiker äußern nun Bedenken hinsichtlich der Wirksamkeit und Fairness des Systems.
2017 wechselten noch 102.084 Minijob-Beschäftigte in sozialversicherungspflichtige Anstellungen. Bis September 2022 waren es nur noch 50.831 – hochgerechnet auf das gesamte Jahr ergibt das etwa 67.775. Der Rückgang spiegelt einen größeren Trend wider: Immer weniger Arbeitnehmer verlassen prekäre Teilzeitjobs für sichere Arbeitsverhältnisse.
Besonders deutlich wird die Entwicklung bei Beziehern von Sozialleistungen. 2017 fanden noch 27,1 Prozent der Minijobber, die aufstockende Leistungen erhielten, den Weg in reguläre Beschäftigung. Fünf Jahre später lag dieser Anteil nur noch bei 18,6 Prozent. Auch die Vermittlung in Vollzeitstellen ging zurück – von 33.953 im Jahr 2017 auf voraussichtlich 21.753 im Jahr 2022.
Kritik kommt aus allen politischen Lagern. Hülya Düber (CSU) monierte, dass sich Arbeit "schlicht nicht lohnt" – zu oft seien die Anreize des Systems fehlerhaft. Jan Feser (AfD) warf Minijobs vor, zu einer dauerhaften Beschäftigungsform zu werden, die Ausbeutung begünstige. Die Bundesagentur für Arbeit hingegen führte den Rückgang auf die schwache Arbeitsmarktlage zurück.
Die Daten belegen einen klaren Rückgang der Übergänge von Minijobs in sichere Arbeitsverhältnisse. Da immer weniger Beschäftigte den Aufstieg schaffen, wächst der Druck, das System zu reformieren. Politiker und Behörden stehen nun vor der Aufgabe, die Hindernisse abzubauen, die Menschen in prekären, niedrig bezahlten Teilzeitjobs festhalten.






