29 April 2026, 04:24

Marathon-Theater boomt: Warum das Publikum stundenlange Stücke liebt

Ein großer Zuschauerraum mit schwarzen Vorhängen, einer Bühne, Deckenlampen und Stühlen, mit Gegenständen auf der rechten Seite, die auf einen Veranstaltungsort hinweisen.

Marathon-Theater boomt: Warum das Publikum stundenlange Stücke liebt

Deutsches Theater und die Tradition der Marathon-Aufführungen

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Das deutsche Theater ist seit langem für seine ausufernden Inszenierungen bekannt, die die übliche Spieldauer bei Weitem übersteigen. Beim diesjährigen Berliner Theatertreffen (1. bis 17. Mai) stehen erneut extrem lange Stücke auf dem Programm, darunter eine siebenstündige Fassung von Wallenstein: Ein Festspiel des Krieges in sieben Gängen. Die Karten für solche Produktionen sind rasant vergriffen – ein Beweis für ihre ungebrochene Anziehungskraft.

Der Trend zu ausgedehnten Aufführungen reicht Jahrzehnte zurück. In den 1970er- und 1980er-Jahren etablierte sich das Regietheater, das Regisseur:innen mehr künstlerische Freiheit einräumte. Robert Wilsons Einstein on the Beach, 1976 uraufgeführt, dauerte vier bis fünf Stunden und setzte damit Maßstäbe für ambitionierte Spielzeiten.

1999 sprengte Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiele alle Grenzen: Die Inszenierung erstreckte sich über zwölf Stunden. Jüngst brachte das Schauspielhaus Bochum 2023 Die Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne. Nun holt die Berliner VolksbühnePeer Gynt zurück – allein der erste Teil der Inszenierung umfasste acht Stunden.

Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Berliner Theatertreffens, erlebte ihre erste ultra-lange Produktion 2007 beim Wiener Festwochen. Das Theatertreffen selbst, eines der renommiertesten Festivals Deutschlands, lädt jährlich zehn herausragende Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ein. Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein keine Spieldauern statistisch, doch die Tradition des Marathon-Theaters bleibt lebendig.

Während und kurz nach der Pandemie kürzten viele Theater ihre Aufführungen, strichen oft sogar Pausen. Doch die Nachfrage nach opulenten Produktionen wie Wallenstein zeigt: Das Publikum sehnt sich weiterhin nach intensiven, langatmigen Theatererlebnissen.

Das diesjährige Theatertreffen unterstreicht die anhaltende Faszination für Langformate. Stücke wie Wallenstein oder die anstehende Neuinszenierung von Peer Gynt beweisen, dass Marathon-Aufführungen nach wie vor ein Markenzeichen der deutschen Bühnen sind. Angesichts ausverkaufter Häuser deutet nichts darauf hin, dass dieser Trend an Dynamik verliert.

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