02 February 2026, 06:08

Niedersachsen startet flächendeckende Tablet-Ausstattung für Schulen und Lehrkräfte

Eine Gruppe von Kindern sitzt an Tischen in einem Klassenzimmer und nutzt Tablets, umgeben von ein paar Menschen, und einem Banner und einem Plakat im Hintergrund.

Alle Lehrer erhalten ebenfalls Tablets - ab Klasse 1 - Niedersachsen startet flächendeckende Tablet-Ausstattung für Schulen und Lehrkräfte

Niedersachsen führt Tablets für alle Lehrkräfte und Grundschüler im Rahmen einer umfassenden Digitalisierungsoffensive ein. Ab diesem Sommer erhält jede Lehrkraft im Land ein Gerät, später folgen in weiteren Phasen auch die Schüler. Die Maßnahme soll den Unterricht modernisieren, stößt jedoch auf Kritik wegen der Kosten und praktischer Herausforderungen.

Bildungsministerin Julia Willie Hamburg kündigte das Vorhaben an und betonte, dass Lehrkräfte Tablets benötigten, um digitalen Unterricht effektiv gestalten zu können. Zudem verwies sie auf Vorteile wie schnellere Recherchemöglichkeiten, vereinfachte Verwaltungsarbeit und eine bessere schulische Kommunikation. Grundschulen erhalten Klassensätze an Tablets, damit jüngere Schüler frühzeitig Erfahrung mit digitalen Werkzeugen sammeln können.

Das Projekt wird schrittweise umgesetzt. Schüler der siebten Klassen erhalten ab dem Schuljahr 2026/27 eigene Geräte. Mit fast 77.800 Lehrkräften an Niedersachsens Schulen stellt das Programm eine erhebliche Investition in die digitale Infrastruktur dar.

Doch es gibt Bedenken zur Finanzierung. Kommunale Vertreter warnen, dass zusätzliche Verwaltungskosten nicht vollständig gedeckt seien, was Lücken bei der Umsetzung hinterlässt. Kritiker, darunter Oppositionsparteien, fragen, ob das Geld nicht dringendere Bildungsbedarfe decken sollte.

Die Initiative reiht sich in bundesweite Bemühungen ein, die im Rahmen des DigitalPakt Schule bis Mai 2024 liefen. Sein Nachfolger, der DigitalPakt 2.0, wird bis 2025 insgesamt fünf Milliarden Euro – je zur Hälfte von Bund und Ländern getragen – in die schulische Technik stecken. Trotz Fortschritten bleiben Probleme: 49 Prozent der Schüler berichten von unzureichender Ausstattung, mehr als die Hälfte klagt über unzuverlässiges WLAN. Unterschiede bei Geräten, Internetqualität und technischer Unterstützung bestehen weiterhin zwischen Bundesländern und Haushalten.

Während Forscher wie Klaus Zierer vor einer "Tablet-Euphorie" warnen, verteidigt Hamburg das Vorhaben. Es werde die Unterrichtsqualität, Medienkompetenz und den Zugang zu vielfältigen Lernmaterialien verbessern, so die Ministerin. Bisher gibt es jedoch in keinem anderen Bundesland vergleichbare flächendeckende Tablet-Programme.

Die Verteilung der Tablets beginnt in diesem Sommer mit den Lehrkräften, es folgen Klassensätze für Grundschulen und später die Siebtklässler. Das Projekt zielt darauf ab, digitale Ungleichheiten zu verringern, muss aber Finanzierungslücken und Infrastrukturprobleme lösen. Sein Erfolg hängt davon ab, ob es gelingt, die Kosten mit messbaren Fortschritten in Lehre und Lernen in Einklang zu bringen.