Niedersachsen will soziale Medien für Kinder unter 14 verbieten – EU-weite Debatte entfacht
Noah JägerNiedersachsen will soziale Medien für Kinder unter 14 verbieten – EU-weite Debatte entfacht
Niedersachsen drängt auf strengere Regeln für die Nutzung sozialer Medien durch Minderjährige
Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies warnt, dass Kinder nicht ausreichend vor den süchtig machenden Mechanismen dieser Plattformen geschützt seien. Die Forderung kommt zu einer Zeit, in der Europa über neue Maßnahmen diskutiert, um junge Nutzer:innen vor schädlichen Algorithmen und KI-gesteuerten Inhaltsempfehlungen zu bewahren.
Die Landesregierung fordert ein vollständiges Verbot sozialer Medien für Kinder unter 14 Jahren. Gleichzeitig gerät die Bundesregierung unter Druck, sich auf EU-Ebene für strengere Jugendschutzbestimmungen einzusetzen. Die Ministerin für Europaangelegenheiten, Melanie Walter, schlägt vor, den EU-Digitalen Identitätsnachweis (EUDI Wallet) zur altersübergreifenden Überprüfung von Nutzer:innen in ganz Europa zu nutzen.
Aktuell stützt sich Deutschland auf den Digital Services Act (DSA), der Plattformen verpflichtet, ihre Dienste altersgerecht für Minderjährige zu gestalten – allerdings ohne feste Altersgrenzen. Andere EU-Länder gehen unterschiedliche Wege: Portugal nutzt seinen digitalen Personalausweis, um den Zugang für unter 13-Jährige zu sperren, während Irland bisher keine neuen Gesetze eingeführt hat. Die EU selbst legte im Juli und Oktober 2025 einen harmonisierten Plan zur Altersverifizierung vor und forderte die Mitgliedstaaten auf, verbindliche Kontrollen umzusetzen.
International setzt Australien ein strenges Beispiel: Dort drohen Plattformen, die Nutzer:innen unter 16 Jahren nicht überprüfen, Bußgelder von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar. Deutsche Behörden argumentieren nun, dass ähnliche Maßnahmen in Europa notwendig seien, um algorithmische Manipulation zu verhindern und junge Menschen vor süchtig machenden Designmerkmalen zu schützen.
Die Debatte zeigt die wachsende Sorge über den unkontrollierten Zugang von Minderjährigen zu sozialen Medien. Sollten strengere Altersüberprüfungen eingeführt werden, könnte dies die Funktionsweise von Plattformen in der gesamten EU grundlegend verändern. Niedersachsens Vorstoß für eine EU-weite Regelung deutet auf einen möglichen Wandel in der digitalen Jugendpolitik hin.






