Osnabrück investiert 113 Millionen in Kitas – doch das Land zahlt kaum etwas dazu
Philipp HartmannOsnabrück investiert 113 Millionen in Kitas – doch das Land zahlt kaum etwas dazu
Osnabrück hat seit 2009 113 Millionen Euro in Kitas investiert – das Land steuerte knapp 8 Millionen bei
Seit der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr ist die Nachfrage nach Kinderbetreuung in Osnabrück stark gestiegen. Doch während die Stadt seit 2009 insgesamt 113 Millionen Euro in den Ausbau von Kitas investiert hat, beteiligte sich das Land Niedersachsen mit weniger als 8 Millionen Euro. Nun warnen Verantwortliche vor einer verschärften Finanznot, da die Landesförderung für Neubauten 2024 ausläuft.
Der Ausbau der Kinderbetreuung hatte Fahrt aufgenommen, nachdem der gesetzliche Anspruch auf einen Kita-Platz für unter Dreijährige verankert wurde. Zwar übernimmt das Land einen Teil der Betriebskosten, doch mit rund einem Drittel der Ausgaben bleibt die Erstattung weit hinter den tatsächlichen Kosten zurück. Die Kommunen stehen damit vor der Herausforderung, bei knappen Haushalten die wachsende Nachfrage zu bedienen.
Seit Sommer 2022 setzt Osnabrück verschiedene Maßnahmen um, um Fachkräfte in der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe zu gewinnen und zu halten. Dazu gehören die Ausbildung von Spezialisten, die Anwerbung von Quereinsteigern sowie Fortbildungsangebote. Zudem wurden Springpools für Vertretungskräfte eingerichtet und die Werbekampagnen intensiviert. Mit Erfolg: In den städtischen Kitas sind mittlerweile fast alle Stellen besetzt.
Kritik an mangelnder Landesunterstützung
Wolfgang Beckermann, zuständiger Fachbereichsleiter der Stadt, übt scharfe Kritik an der fehlenden Unterstützung durch das Land. Es sei „beinahe ein Skandal“, dass die Kommunen die vollen Baukosten tragen müssten, während sie gleichzeitig dazu verpflichtet seien, ihre Haushalte auszugleichen. Er fordert unverzügliche Maßnahmen, darunter weniger Bürokratie und mehr Spielraum für kommunale Entscheidungen.
Zwar hätten Stadt und freie Träger die verfügbaren Landesmittel ausgeschöpft, doch Beckermann betont: „Es muss mehr passieren.“ Ohne Fördergelder für Neubauten ab 2024 drohe eine weitere Belastung der kommunalen Finanzen. Trotz der erfolgreichen Personalgewinnung – fast alle Kita-Stellen sind besetzt – steht Osnabrück damit vor anhaltendem finanziellen Druck. Die Verantwortlichen pochen nun auf zügige Reformen und mehr Unterstützung, um die Kinderbetreuung langfristig zu sichern.






